Warum Hoffenheim funktioniert – obwohl es intern nie wirklich ruhig ist

Die TSG Hoffenheim war in der vergangenen Saison nah am Abgrund. Lange sah es so aus, als könne selbst die Bundesliga-Zugehörigkeit wackeln. Heute wirkt die Mannschaft stabil, strukturiert – fast unspektakulär erfolgreich. Auch Zahlen untermauern diesen Eindruck: Hoffenheim gehört zu den laufstärksten Teams der Liga und führt die Bundesliga bei der Anzahl der Sprints an. Das Ergebnis zur Winterpause: Platz fünf mit 27 Punkten.
Und das, obwohl es im Verein selten wirklich ruhig ist.

Diskussionen in der Vereinsführung, Machtkämpfe, öffentliche Reibungspunkte mit Berater Roger Wittmann: Hoffenheim kennt das alles. Doch genau hier liegt ein verbreitetes Missverständnis. Denn Ruhe ist kein Garant für Erfolg. Und Unruhe nicht automatisch ein Hindernis.

Erfolg braucht Klarheit, keine Harmonie

Hoffenheim hat nach der schwierigen Vorsaison vor allem eines getan: Entscheidungen getroffen. Nicht laut, nicht spektakulär, aber konsequent. Die Trainerfrage wurde frühzeitig geklärt, Rollen im Kader neu verteilt, Erwartungen intern realistischer formuliert. Der Verein hat aufgehört, größer sein zu wollen, als er sportlich gerade ist.

Andreas Schicker als Regisseur dieses Erfolgs

Ein zentraler Faktor dieser Entwicklung ist Sportchef Andreas Schicker. Mit gezielten, durchdachten Transfers formte er eine funktionierende und ausgewogene Mannschaft. Er überzeugte Spieler von der TSG, obwohl der Klub sportlich zuletzt wenig Argumente lieferte. Entscheidend war nicht der kurzfristige Erfolg, sondern Schickers klare Vision und ein nachvollziehbarer Plan.

Dass nach 15 Spieltagen Führungsspieler wie Andrej Kramarić oder Neuzugang Vladimir Coufal offen über die Champions League sprechen, ist kein Zufall – sondern Ausdruck dieser neuen Klarheit. Es ist vor allem das Ergebnis der Arbeit von Andreas Schicker.

Mit Widersprüchen leben – statt an ihnen zu scheitern

Der aktuelle Erfolg ist nicht das Ergebnis eines perfekten Umfelds, sondern eines funktionierenden Umgangs mit Konflikten. Diskussionen werden nicht vermieden, sondern ausgehalten. Der Klub lebt mit seinen Widersprüchen – und lässt sie nicht mehr den sportlichen Alltag dominieren. Trainer Christian Ilzer schirmt die Themen rund um den Verein konsequent von der Mannschaft ab. Trainerteam und Spieler konzentrieren sich auf das Sportliche – mit Erfolg.

Gerade im Vergleich zu anderen Vereinen wird deutlich, was Hoffenheim derzeit richtig macht: Der Fokus liegt auf dem Platz. Nicht auf Symbolik, nicht auf Außendarstellung, nicht auf Narrativen. Punkte zählen mehr als Schlagzeilen.

Vielleicht ist das die eigentliche Lehre aus Hoffenheims Entwicklung: Erfolg entsteht nicht dort, wo alles harmonisch wirkt. Sondern dort, wo Klarheit herrscht – über Rollen, Ziele und Grenzen.

Die TSG Hoffenheim ist kein Vorbild für Romantik.
Aber aktuell ein Beispiel dafür, dass Stabilität manchmal ausgerechnet dort wächst, wo es immer wieder brodelt.

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