Der BVB und seine verlorenen Talente – warum Dortmund zu selten erntet, was es selbst sät

Borussia Dortmund gilt als Talentschmiede – doch immer öfter profitieren andere Vereine davon. Warum junge Spieler beim BVB selten das Vertrauen bekommen, das sie für den Durchbruch brauchen.

Borussia Dortmund gilt seit Jahren als Talentschmiede. Kaum ein Verein in Europa erkennt junge Spieler früher, bildet sie besser aus und gibt ihnen ein größeres Schaufenster. Und doch bleibt am Ende immer öfter das gleiche Gefühl:
Der BVB entdeckt – andere profitieren.

Cole Campbell geht zur TSG Hoffenheim. Leihe, Kaufoption. Ein klassisches Modell. Eine wirkliche Chance hat der US-Amerikaner beim BVB nie bekommen.
Jamie Bynoe-Gittens steht sinnbildlich für das, was möglich ist – Julien Duranville dagegen für das, was beim BVB immer wieder passiert: großes Talent, große Erwartungen, wenig echte Chancen.

Dabei mangelt es nicht an externer Wertschätzung. Als Duranville im September 2024 erstmals in die belgische Nationalmannschaft berufen wurde, fand der damalige Nationaltrainer Domenico Tedesco deutliche Worte. Er sprach von einem „sehr großen Talent“, das das Potenzial habe, „ein ganz großer Spieler zu werden“.

Worte, die weniger über Duranville sagen als über das Missverhältnis zwischen Potenzial und Vertrauen. Während Nationaltrainer früh Verantwortung zutrauen, bleibt sie im Vereinsalltag oft aus. Nicht wegen fehlender Qualität – sondern wegen fehlender Geduld.

Talentförderung zwischen Anspruch und Ergebnisdruck

Das ist kein neues Muster. Alexander Isak ist das bekannteste Beispiel. In Dortmund war er Perspektivspieler, anderswo wurde er Leistungsträger und wechselte im Sommer 2025 für rund 150 Millionen Euro von Newcastle nach Liverpool. Kein Einzelfall, sondern Symptom.

Der BVB steckt seit Jahren in einem strukturellen Dilemma:
Er will Talente entwickeln – und gleichzeitig sofort erfolgreich sein.
Er verspricht Geduld – lebt aber vom Ergebnisdruck.
Er spricht von Perspektive – entscheidet sich im Zweifel doch für Erfahrung.

Für junge Spieler ist das eine gefährliche Mischung.
Denn Entwicklung braucht nicht nur Trainingsplätze und gute Coaches, sondern vor allem eines: echte Spielzeit. Nicht im Pokal, nicht bei Verletzungsnot, nicht als symbolischer Joker. Sondern regelmäßig. Verlässlich. Mit Fehlern.

Warum der Abschied oft logisch erscheint

In Dortmund ist der Kader oft zu gut, um geduldig zu sein – und zu instabil, um Risiken einzugehen. Junge Spieler stehen zwischen Erwartung und Realität. Wer sofort hilft, bleibt. Wer Zeit braucht, geht.

Andere Vereine sind ehrlicher.
Hoffenheim verspricht keine Titel, aber Minuten.
Spanische und englische Klubs bieten klare Rollen.
Und plötzlich funktionieren Talente, die in Dortmund als „noch nicht so weit“ galten.

Das eigentliche Problem ist nicht, dass Talente den BVB verlassen.
Das Problem ist, dass es logisch erscheint.

Borussia Dortmund ist kein schlechter Ort für junge Spieler.
Aber immer öfter ist es nur eine Durchgangsstation – nicht das Ziel.

Und solange der Verein nicht klar entscheidet, was er sein will – Titelkandidat oder Entwicklungsplattform – wird er weiter das säen, was andere ernten.

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