Transferfenster erklärt: Warum sie unterschiedlich lang offen sind

Jeden Winter und Sommer sorgt es für Diskussionen: In Deutschland schließt das Transferfenster – doch in anderen Ländern sind Wechsel noch möglich. Spieler verlassen die Bundesliga, obwohl hier keine Neuzugänge mehr registriert werden dürfen. Für viele Fans wirkt das widersprüchlich oder sogar unfair.

Ein aktuelles Beispiel: Samuel Essende wechselt Mitte Februar für 4,75 Millionen Euro vom FC Augsburg zu den Young Boys Bern – obwohl das deutsche Transferfenster bereits geschlossen war. Wie kann das sein? DENGOATZ erklärt Euch die Hintergründe.

Wer legt die Transferfenster fest?

Grundsätzlich gibt der Weltverband FIFA nur den Rahmen vor. Jede Saison darf es zwei Transferperioden geben:

  • ein Sommerfenster (maximal zwölf Wochen)
  • ein Winterfenster (maximal vier Wochen)

Die konkreten Daten legt jedoch jeder nationale Verband selbst fest. In Deutschland übernehmen das DFB und DFL. Andere Länder bestimmen ihre Fristen eigenständig.

Es gibt also kein weltweit synchronisiertes Transferdatum – und genau daraus entstehen die Unterschiede.

Warum schließen nicht alle Ligen am selben Tag?

1. Unterschiedliche Saisonrhythmen

Nicht jede Liga folgt dem klassischen europäischen Kalender von Herbst bis Frühjahr. In einigen Ländern wird im Kalenderjahr gespielt. Die Transferphasen müssen deshalb an den jeweiligen Saisonverlauf angepasst werden.

2. Nationale Organisationsstrukturen

Arbeitsrecht, Lizenzierungsverfahren, Registrierungsfristen – viele Prozesse sind national geregelt. Ein global einheitliches Enddatum wäre organisatorisch deutlich komplizierter umzusetzen.

3. Wirtschaftliche Marktmechanik

Der Transfermarkt ist auch ein strategisches Instrument. Kleinere Ligen profitieren teilweise davon, wenn größere Märkte früher schließen.

Sie können Spieler verpflichten, die in Topligen keine Perspektive mehr haben oder kurzfristig freigegeben werden.

Das ist kein Zufall – sondern Teil der wirtschaftlichen Dynamik im Profifußball.

Warum war der Wechsel von Samuel Essende trotz geschlossenem Bundesliga-Fenster erlaubt?

Entscheidend ist immer das Transferfenster des aufnehmenden Verbandes.

Im Fall von Samuel Essende war das Schweizer Transferfenster maßgeblich. Wenn dort die Wechselperiode noch geöffnet ist, darf ein Spieler registriert werden – selbst wenn das abgebende Land sein Fenster bereits geschlossen hat.

Wichtig:
Das geschlossene Fenster betrifft nur die Registrierung neuer Spieler in dieser Liga. Abgänge sind weiterhin möglich, sofern das Ziel-Land noch Transfers zulässt.

Ist das System unfair?

Auf den ersten Blick könnte man das vermuten. Ein Verein verliert möglicherweise einen wichtigen Spieler, ohne selbst noch reagieren zu können. Besonders im Winter kann das sportlich schmerzhaft sein.

Realistisch betrachtet geben Klubs nach Schließung des eigenen Fensters jedoch nur dann Leistungsträger ab, wenn außergewöhnlich hohe Ablösesummen im Spiel sind.

Gleichzeitig bietet ein nationales Stichtagsmodell Planungssicherheit. Alle Vereine innerhalb einer Liga haben dieselben Fristen und Rahmenbedingungen.

Ein vollständig weltweit synchronisiertes System würde zwar mehr Gleichheit schaffen, könnte aber kleinere Ligen wirtschaftlich benachteiligen.

Warum ist das Sommer-Transferfenster länger als das Winterfenster?

Der Sommer ist die zentrale Phase der Kaderplanung.

  • Verträge laufen typischerweise zum 30. Juni aus
  • Trainer beginnen neue Projekte
  • Vereine bauen Mannschaften strategisch um

Deshalb darf das Sommerfenster bis zu zwölf Wochen dauern.

Das Winterfenster ist bewusst kürzer (maximal vier Wochen). Ziel ist es, während der laufenden Saison Stabilität zu gewährleisten. Anpassungen sind möglich – eine komplette Neuformierung soll jedoch verhindert werden.

Gibt es Ausnahmen vom Transferfenster?

Ja:

  • Vertraglose Spieler dürfen in vielen Ligen auch außerhalb des regulären Transferfensters verpflichtet werden.
  • Sonderregelungen greifen teilweise bei langfristigen Verletzungen.

Diese Ausnahmen sind jedoch klar definiert und unterliegen den jeweiligen Verbandsstatuten.

Winter-Transferfenster 2026: Die Übersicht

Land / Liga Öffnet Schließt
Deutschland (Bundesliga) 1. Jan. 2026 2. Feb. 2026
England (Premier League) 1. Jan. 2026 2. Feb. 2026
Spanien (La Liga) 2. Jan. 2026 2. Feb. 2026
Italien (Serie A) 2. Jan. 2026 2. Feb. 2026
Frankreich (Ligue 1) 1. Jan. 2026 2. Feb. 2026
Schweiz (Super League) ca. 15. Jan. 2026 16. Feb. 2026
Österreich (Bundesliga) Anfang Jan. 2026 6. Feb. 2026
Türkei (Süper Lig) 1. Jan. 2026 6. Feb. 2026
Saudi-Arabien (Pro League) 4. Jan. 2026 2. Feb. 2026
USA (MLS) 26. Jan. 2026 26. März 2026

Die teuersten Transfers im Winter 2026

Spieler Von Zu Ablösesumme (ca.)
Antoine Semenyo AFC Bournemouth Manchester City ~72 Mio. €
Jørgen Strand Larsen Wolverhampton Wanderers Crystal Palace ~50 Mio. €
Lucas Paquetá West Ham United Flamengo ~42 Mio. €
Brennan Johnson Tottenham Hotspur Crystal Palace ~40 Mio. €
Conor Gallagher Atlético Madrid Tottenham Hotspur ~40 Mio. €

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