Warum Hoffenheim funktioniert – obwohl es intern brodelt

Die TSG Hoffenheim war in der vergangenen Saison nah am Abgrund. Lange sah es so aus, als könne selbst die Bundesliga-Zugehörigkeit wackeln. Heute wirkt die Mannschaft stabil, strukturiert und spektakulär erfolgreich. Auch Zahlen untermauern diesen Eindruck: Hoffenheim gehört zu den laufstärksten Teams der Liga und führt die Bundesliga bei der Anzahl der Sprints an. Das Ergebnis vor dem Topspiel gegen den FC Bayern: Platz drei mit 42 Punkten. Seit dem siebten Spieltag sammelten die Kraichgauer sogar zwei Punkte mehr als der Rekordmeister.
Und das, obwohl es im Verein selten wirklich ruhig ist.

Diskussionen in der Vereinsführung, Machtkämpfe, öffentliche Reibungspunkte mit Berater Roger Wittmann, jetzt stand anscheinend sogar Sportchef Andreas Schicker vor dem Aus. Doch bevor er gehen musste, hat Mäzen Dietmar Hopp lieber Tobias Jost (Marketing & Vertriebsgeschäftsführer), Arno Metz und Asmahan Gamgani (beide Justiziar für das Ressort „People & Culture“) entlassen. Hoffenheim kennt das alles aus den vergangenen Monaten. Doch genau hier liegt ein verbreitetes Missverständnis: Denn Ruhe ist kein Garant für Erfolg. Und Unruhe nicht automatisch ein Hindernis.

Erfolg braucht Klarheit, keine Harmonie

Hoffenheim hat nach der schwierigen Vorsaison vor allem eines getan: Entscheidungen getroffen – und as konsequent. Die Trainerfrage wurde frühzeitig geklärt, Rollen im Kader neu verteilt, Erwartungen intern realistischer formuliert. Dietmar Hopp hat gesehen, wie viele Aktien Andreas Schicker am Erfolg der TSG hält und räumt alles aus dem Weg, was dem Sportchef gefährlich werden könnte.

Andreas Schicker als Regisseur dieses Erfolgs

Mit gezielten, durchdachten Transfers formte er eine funktionierende und ausgewogene Mannschaft. Er überzeugte Spieler von der TSG, obwohl der Klub sportlich zuletzt wenig Argumente lieferte. Entscheidend war nicht der kurzfristige Erfolg, sondern Schickers klare Vision und ein nachvollziehbarer Plan.

Dass bereits Führungsspieler wie Andrej Kramarić oder Sommer-Neuzugang Vladimir Coufal offen über die Champions League sprechen, ist kein Zufall – Es ist vor allem das Ergebnis der Arbeit von Andreas Schicker.

Mit Widersprüchen leben – statt an ihnen zu scheitern

Der aktuelle Erfolg ist nicht das Ergebnis eines perfekten Umfelds, sondern eines funktionierenden Umgangs mit Konflikten. Diskussionen und Entscheidungen werden nicht vermieden, sondern ausgehalten. Der Klub lebt mit seinen Widersprüchen – und lässt sie nicht mehr den sportlichen Alltag dominieren. Trainer Christian Ilzer schirmt die Themen rund um den Verein konsequent von der Mannschaft ab. Trainerteam und Spieler konzentrieren sich auf das Sportliche – mit Erfolg.

Gerade im Vergleich zu anderen Vereinen wird deutlich, was Hoffenheim derzeit richtig macht: Der Fokus liegt auf dem Platz. Nicht auf Symbolik, nicht auf Außendarstellung, nicht auf Narrativen. Punkte zählen mehr als Schlagzeilen.

Hört man den Interviews der Spieler genau zu, entsteht der Eindruck: Hier steht eine echte Einheit auf dem Platz. Jeder gibt alles für seinen Mitspieler.

Vielleicht ist das die eigentliche Lehre aus Hoffenheims Entwicklung: Erfolg entsteht nicht dort, wo alles harmonisch wirkt. Sondern dort, wo Klarheit herrscht – über Ziele, über Gemeinschaft und die Möglichkeit Großes zu vollbringen.

DENGOATZ meint:

Die TSG Hoffenheim ist definitiv kein Vorbild für Romantik.
Aber aktuell ein Beispiel dafür, dass Stabilität manchmal ausgerechnet dort wächst, wo es immer wieder brodelt und ein sportliches Vorbild für einige andere Vereine!
Trotzdem wäre es für die Entwicklung und Zukunft des Vereins besser, wenn endlich mal Ruhe einkehren würde…

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