Xabi Alonso – zum Scheitern verurteilt?

Als Xabi Alonso im Juni 2025 die Nachfolge von Carlo Ancelotti bei Real Madrid antrat, galt er als einer der spannendsten Trainer Europas. Ein moderner Denker, ein Madridista durch und durch, der mit klaren Prinzipien und einer eigenen Idee von Fußball überzeugte.

Keine sechs Monate später ist das Kapitel bereits wieder beendet. Nach der Niederlage im Supercopa-Finale gegen den Erzrivalen FC Barcelona zog Real die Reißleine. Die offizielle Mitteilung sprach von einer Trennung „in gegenseitigem Einvernehmen“ – eine Formulierung, die in Madrid traditionell mehr verschleiert als erklärt.

Ein Szenario, das so nur die Wenigsten erwartet hätten.

Die sportliche Bilanz – besser als ihr Ruf

Der Saisonstart verlief vielversprechend. Zehn der ersten elf Ligaspiele gewann Real Madrid. Die einzige Niederlage setzte es ausgerechnet im Derby gegen Atlético Madrid (2:5). In der UEFA Champions League stand man nach sechs Spielen bei vier Siegen und hatte beste Chancen auf die direkte Qualifikation fürs Achtelfinale.

Real spielte unter Alonso nicht spektakulär, aber effektiv. Ergebnisorientiert, kontrolliert, pragmatisch – ganz im Sinne des Klubs. Nach einem kleinen Durchhänger im November und Dezember folgten fünf Pflichtspielsiege in Serie. Dennoch wurde das Supercopa-Finale zum Wendepunkt.

Am Ende steht ein Punkteschnitt von 2,37 Punkten pro Spiel, vier Punkte Rückstand auf Barcelona in der Liga und Rang sechs in der Champions League. Rein sportlich gibt es kaum Argumente für einen derart frühen Cut.

Innere Spannungen – das eigentliche Problem

Doch Real Madrid zu trainieren bedeutet mehr als Zahlen und Tabellen. Es geht um Macht, Eitelkeiten und Hierarchien. Genau hier lag Alonsos größtes Problem.

Sein Vorgänger Ancelotti war ein Meister darin, sportlichen Erfolg mit interner Harmonie zu verbinden – insbesondere im Umgang mit Präsident Florentino Pérez, einer der mächtigsten Figuren im Weltfußball. Alonso hingegen schien von Beginn an kein Projekt des Präsidenten zu sein. Öffentliche Rückendeckung blieb aus, selbst bei der Weihnachtsansprache wurde er nicht erwähnt – ein deutliches Signal in Madrid.

Auch innerhalb der Mannschaft rumorte es früh. Vor allem das Verhältnis zu Vinícius Júnior galt als angespannt. Als der Brasilianer im Clásico ausgewechselt wurde, reagierte er mit klar erkennbarer Missbilligung. Die spätere öffentliche Entschuldigung richtete sich an alle – nur nicht an den Trainer. Symbolischer hätte diese Situation kaum sein können.

DENGOATZ meint:

Xabi Alonso bekam nie die Zeit, seine Idee nachhaltig zu implementieren. Und genau das war absehbar. Alonso ist nicht Ancelotti – und wollte es auch nie sein.

Der größte Klub der Welt hat sich für einen Trainer entschieden, dessen Ansatz einen Übergang bedeutet hätte. Mutiger, strukturierter, weniger laissez-faire. Doch diesen Weg wollte oder konnte Real Madrid nicht konsequent gehen. Stattdessen griff man beim ersten großen Rückschlag zur altbekannten Lösung: Trainerwechsel.

Das eigentliche Problem war nicht Xabi Alonso.
Das Problem war, dass Real Madrid wusste, wen man holt – aber nicht bereit war, mit ihm zu leben.

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