„Es kann losgehen!“ Ein Satz, drei Wörter und so viel neue Hoffnung bei den Fans von Borussia Mönchengladbach. Grund dafür ist der neue Trainer, Alexander Blessin! Der 53-Jährige übernimmt die Position des Cheftrainers nach der Entlassung von Eugen Polanski. Die Fohlen stehen nach vier Bundesligaspielen mit null Punkten und einem Torverhältnis von 6:16 auf dem letzten Tabellenplatz.
Schröder: „Ein Trainer der eine klare Struktur mitbringt“
Gladbach Sportchef Rouven Schröder über den neuen Trainer: „Es war nie die Rede davon, dass wir einen „Feuerwehrmann“ verpflichten wollten. Es war von vorneherein klar, dass wir einen Trainer suchen, der uns kurz- und mittelfristig voranbringt. Einen Trainer, der eine klare Struktur mitbringt, der weiß, wie er die Dinge umsetzen kann und der klar in seiner Ansprache ist. Was wir gesucht haben, ist eine positive Schärfe, gepaart mit einer gewissen Empathie. Bei aller Durchsetzungskraft darf die menschliche Seite auch nicht zu kurz kommen. Wir wollten einen Trainer, der einen neuen Input setzen kann. Das alles spüre ich bei Alexander Blessin, der schon sehr tief in der Materie drin ist. Dazu kommt seine grundlegend positive Herangehensweise. Das ist genau der Trigger, den wir jetzt brauchen.“
Warum Blessin wieder Hoffnung bringt
Borussia Mönchengladbach und seine Fans sehnen sich nach besseren Zeiten. Nach den großen Erfolgen der 1970er-Jahre wurde die Borussia zwar nie bedeutungslos, doch seit einigen Jahren fehlt das Gefühl, wirklich wieder oben angreifen zu können. Die letzte internationale Saison liegt mittlerweile fünf Jahre zurück. Seitdem war Platz acht das höchste der Gefühle, in der vergangenen Spielzeit reichte es sogar nur zu Rang zwölf. Und jetzt? Vier Spiele, vier Niederlagen, null Punkte und 16 Gegentore. Die Fohlen stehen am Tabellenende. Eigentlich gibt es also kaum Gründe für Optimismus. Und trotzdem ist rund um den Borussia-Park plötzlich wieder ein Funken Hoffnung zu spüren. Dieser Funken heißt Alexander Blessin.
Denn Blessin bringt etwas mit, das Gladbach in der aktuellen Situation dringend benötigt: die Fähigkeit, aus einer Mannschaft mehr herauszuholen, als man ihr auf dem Papier vielleicht zutraut. Bei St. Pauli hat der 53-Jährige genau das gezeigt. Mit einem Kader, der im Vergleich zu vielen Bundesligisten deutlich weniger Möglichkeiten bot, hielt er die Hamburger in seiner ersten Saison in der Liga und gab der Mannschaft eine klare Identität. Kompakt verteidigen, aggressiv gegen den Ball arbeiten, hohe Intensität und vor allem eine Mannschaft formen, die füreinander arbeitet. Genau deshalb könnte seine Verpflichtung für Gladbach zur Chance werden. Denn der Kader der Fohlen bietet ihm deutlich mehr Möglichkeiten als damals am Millerntor.
Mit Tim Kleindienst, Ko Itakura, Kevin Stöger, Philipp Sander und Torhüter Moritz Nicolas verfügt Gladbach über reichlich Bundesliga-Erfahrung. Itakura ist nach seiner Rückkehr ein wichtiger Baustein für die Defensive und war bereits vor seinem Abschied ein absoluter Leistungsträger. Stöger kann mit seiner Kreativität Spiele entscheiden, Sander bringt Energie und Zweikampfstärke mit und Kleindienst steht für Tore und Präsenz im Strafraum. Dazu kommen mit Hugo Bolin und Wael Mohya zwei hochinteressante Talente. Vor allem Mohya sorgt bereits in jungen Jahren für Aufsehen und hat als jüngster Gladbacher Bundesliga-Torschütze Vereinsgeschichte geschrieben. Bolin besitzt ebenfalls enormes Entwicklungspotenzial. Talente mit dieser Veranlagung hatte Gladbach in dieser Kombination schon länger nicht mehr.
Allerdings muss Blessin zunächst einmal aufräumen. Nicht nur auf dem Platz, sondern möglicherweise auch innerhalb der Mannschaft. Bei mehreren Spielern blieb zuletzt vieles hinter den Erwartungen zurück. Robin Hack, Shūto Machino, Florian Neuhaus oder Franck Honorat können deutlich mehr, als sie in den vergangenen Monaten regelmäßig gezeigt haben. Genau hier könnte eine der größten Stärken Blessins zum Tragen kommen: Er muss aus einzelnen Spielern wieder eine Mannschaft machen und aus vorhandener Qualität wieder Leistung herauskitzeln.
Dass es innerhalb der Mannschaft zuletzt nicht immer rund lief, zeigte ausgerechnet Kapitän Tim Kleindienst nach der bitteren 3:4-Niederlage gegen Elversberg. Nach einer 3:1-Führung gab Gladbach das Spiel noch aus der Hand. Kleindienst fand anschließend deutliche Worte und forderte von seinen Mitspielern wesentlich mehr Konzentration über die gesamten 90 Minuten. Besonders ein Satz blieb hängen: „Weniger TikTok gucken, oder was weiß ich.“ Der Kapitän sprach damit offen aus, was viele Fans zu diesem Zeitpunkt ebenfalls beschäftigte: Warum schafft es diese Mannschaft nicht, ihre Qualität konstant auf den Platz zu bringen?
Blessin könnte genau an diesem Punkt ansetzen. Der neue Trainer kommt nicht nach Gladbach, um einzelne Spieler abzustempeln. Er will eine Mannschaft entwickeln. Und dafür bekommt er mit Kleindienst, Itakura und Co. erfahrene Führungsspieler, gleichzeitig aber auch junge Akteure, die noch einen großen Schritt machen können. Blessin selbst machte bei seiner Vorstellung klar, dass für ihn die Tür für jeden Spieler offensteht. Entscheidend sei, wer bereit ist, den eingeschlagenen Weg mitzugehen.
Natürlich darf man die aktuelle Situation nicht schönreden. Gladbach steht nach vier Spieltagen mit null Punkten am Tabellenende und hat bereits mit erheblichen Verletzungsproblemen zu kämpfen. Enzo Leopold fällt nach einem Kreuzbandriss monatelang aus, Jens Castrop fehlt nach einer Schulterverletzung und Neuzugang Nicolas Kühn zog sich einen Muskelbündelriss zu. Gerade Kühn sollte nach seinem Wechsel von Como für neue Impulse in der Offensive sorgen. Dazu kommt, dass Kleindienst nach seiner schweren Knieverletzung erst wieder richtig in den Rhythmus finden muss. Der Kapitän hatte einen großen Teil der vergangenen Saison verpasst und ist für Blessin deshalb fast wie ein zusätzlicher Neuzugang.
Und genau darin liegt vielleicht die größte Hoffnung. Dieser Kader ist nicht plötzlich schlecht geworden, nur weil die ersten vier Spiele verloren gingen. Zu viele Spieler haben bereits bewiesen, dass sie Bundesliga können. Jetzt braucht es jemanden, der daraus wieder eine funktionierende Einheit formt. Blessin hat auf diesem Gebiet Erfahrung, einen klaren Plan und eine Vergangenheit als Entwickler von Spielern. Dazu kommen die Fans, die trotz der aktuellen Krise hinter ihrer Borussia stehen. Wenn es Blessin gelingt, Mannschaft, Qualität und Leidenschaft wieder zusammenzubringen, könnte ausgerechnet der derzeitige Tiefpunkt der Beginn eines neuen Kapitels werden.
Gladbach braucht dabei keinen Zauberer. Die Borussia braucht einen Trainer, der Ordnung schafft, Vertrauen zurückgibt und aus den vorhandenen Möglichkeiten wieder das Maximum herausholt. Alexander Blessin hat genau das in seiner bisherigen Karriere immer wieder versucht. Jetzt bekommt er in Mönchengladbach die Chance, es auf einer deutlich größeren Bühne zu beweisen. Und vielleicht ist genau dieser Trainer das Puzzleteil, das den Fohlen zuletzt gefehlt hat.
Der ungewöhnliche Weg von Alexander Blessin
Alexander Blessins Weg auf die Bundesliga-Trainerbank verlief alles andere als geradlinig. Der gebürtige Stuttgarter schaffte es als Stürmer bis in die Profimannschaft des VfB Stuttgart und absolvierte 1998/99 sieben Bundesliga-Spiele. Danach folgten unter anderem Stationen bei den Stuttgarter Kickers, Wacker Burghausen und dem SC Pfullendorf, für den er in der Saison 2003/04 starke 16 Tore in 33 Regionalliga-Spielen erzielte. Nach seiner aktiven Karriere blieb Blessin dem Fußball treu, arbeitete unter anderem beim SV Bonlanden und sammelte erste Erfahrungen als Trainer.
Der entscheidende Schritt folgte 2012: Ralf Rangnick holte Blessin zu RB Leipzig. Acht Jahre lang arbeitete er dort im Nachwuchsbereich und entwickelte sich vom Co-Trainer zum Cheftrainer der U17 und U19. Mit der U17 wurde er 2018 Meister der Bundesliga Nord/Nordost. Diese Jahre prägten seine Fußballphilosophie maßgeblich: intensives Pressing, schnelles Umschalten und eine hohe Laufbereitschaft wurden zu Markenzeichen des späteren Profitrainers.
Seinen Durchbruch feierte Blessin anschließend im Ausland. Beim belgischen KV Oostende übernahm er 2020 erstmals einen Profiverein und wurde nach einer starken Saison sogar zum belgischen Trainer des Jahres gewählt. Es folgten Stationen beim italienischen Traditionsklub CFC Genua und bei Union Saint-Gilloise. Mit Union gelang ihm 2024 der größte Erfolg seiner bisherigen Trainerkarriere: der Gewinn des belgischen Pokals sowie die Vizemeisterschaft. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland führte Blessin den FC St. Pauli in seiner ersten Saison zum Klassenerhalt in der Bundesliga.
Nun schließt sich für den 53-Jährigen ein Kreis: Der einstige VfB-Profi aus Stuttgart ist zurück in der Bundesliga – diesmal als Cheftrainer von Borussia Mönchengladbach. Sein Weg vom Amateurfußball über die Nachwuchsarbeit bei RB Leipzig bis auf eine der bekanntesten Trainerbänke Deutschlands macht Blessins Karriere zu einer der ungewöhnlicheren Geschichten im deutschen Fußball.

1. Bundesliga: Die aktuelle Tabelle
| Pl. | Team | Sp. | S | U | N | Tore | Diff. | Punkte |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 |
Borussia Dortmund
|
4 | 4 | 0 | 0 | 9:2 | +7 | 12 |
| 2 |
Bayern München
|
4 | 3 | 1 | 0 | 14:2 | +12 | 10 |
| 3 |
SC Freiburg
|
4 | 3 | 1 | 0 | 12:3 | +9 | 10 |
| 4 |
FC Augsburg
|
4 | 2 | 1 | 1 | 11:6 | +5 | 7 |
| 5 |
Bayer Leverkusen
|
4 | 2 | 1 | 1 | 10:5 | +5 | 7 |
| 6 |
1. FSV Mainz 05
|
4 | 2 | 1 | 1 | 10:6 | +4 | 7 |
| 7 |
SV 07 Elversberg
|
4 | 2 | 1 | 1 | 8:7 | +1 | 7 |
| 8 |
Werder Bremen
|
4 | 2 | 1 | 1 | 8:8 | 0 | 7 |
| 9 |
RB Leipzig
|
4 | 2 | 0 | 2 | 9:5 | +4 | 6 |
| 10 |
Eintracht Frankfurt
|
4 | 1 | 2 | 1 | 9:10 | -1 | 5 |
| 11 |
FC Schalke 04
|
4 | 1 | 2 | 1 | 3:4 | -1 | 5 |
| 12 |
SC Paderborn 07
|
4 | 1 | 1 | 2 | 3:5 | -2 | 4 |
| 13 |
1. FC Köln
|
4 | 1 | 1 | 2 | 6:9 | -3 | 4 |
| 14 |
TSG Hoffenheim
|
4 | 1 | 0 | 3 | 7:10 | -3 | 3 |
| 15 |
VfB Stuttgart
|
4 | 1 | 0 | 3 | 6:9 | -3 | 3 |
| 16 |
Hamburger SV
|
4 | 1 | 0 | 3 | 2:13 | -11 | 3 |
| 17 |
1. FC Union Berlin
|
4 | 0 | 1 | 3 | 4:17 | -13 | 1 |
| 18 |
Borussia Mönchengladbach
|
4 | 0 | 0 | 4 | 6:16 | -10 | 0 |


Borussia Dortmund
Bayern München
SC Freiburg
FC Augsburg
Bayer Leverkusen
1. FSV Mainz 05
SV 07 Elversberg
Werder Bremen
RB Leipzig
Eintracht Frankfurt
FC Schalke 04
SC Paderborn 07
1. FC Köln
TSG Hoffenheim
VfB Stuttgart
Hamburger SV
1. FC Union Berlin
Borussia Mönchengladbach