Klopps DFB-Umbruch hat begonnen: Das steckt hinter seinen ersten Entscheidungen

Ein 1:1 gegen die Niederlande, eine Niederlage gegen Griechenland, ein Auftakt nach Maß zum Start der Nations League sieht sicher anders aus. Doch wer bei Jürgen Klopps ersten beiden Spielen als Bundestrainer genauer hinsieht, erkennt bereits erste Veränderungen. Noch hat Klopp einen langen Weg vor sich, es ist noch kein fertiges Produkt, das Jürgen Klopp in seinen ersten beiden Spielen als Bundestrainer präsentiert hat. Das wäre nach wenigen Trainingseinheiten auch kaum zu erwarten gewesen. Vielmehr wirkt das deutsche Nationalteam wie eine Mannschaft mitten im Umbau.

Klopp hat seinen Amtsantritt nicht dazu genutzt, die bestehende Mannschaft weiterzuführen. Stattdessen öffnete er den Kader und gab zahlreichen Spielern die Möglichkeit, sich zu zeigen. Für die ersten vier Nations-League-Partien nominierte der Bundestrainer insgesamt 44 Spieler – aufgeteilt auf zwei Kader. Schon diese Entscheidung zeigt, dass Klopp nicht nur kurzfristige Ergebnisse und Entwicklungen im Blick hat. Er will herausfinden, welche Spieler seine Vorstellungen vom deutschen Fußball langfristig umsetzen können.

Die Mannschaft ist bereit für Veränderungen

Beim 1:1 gegen die Niederlande war durchaus zu erkennen, in welche Richtung Klopp mit seiner Mannschaft gehen möchte. Deutschland startete mutig in die Partie, setzte die Niederländer früh unter Druck und versuchte immer wieder, den Ball nach Ballverlusten schnell zurückzugewinnen. Gerade die Intensität und die Bereitschaft, gegen einen starken Gegner aktiv zu verteidigen, waren Punkte, mit denen Klopp nach seinem Debüt zufrieden war. Der Bundestrainer sprach selbst von „vielen guten Eindrücken“ und hob insbesondere Intensität, Bereitschaft und Leidenschaft hervor.

Das erinnert an Elemente, die man bereits aus Klopps früherer Arbeit kennt: aggressives Gegenpressing, hohes Tempo und der Versuch, den Gegner nicht erst in der eigenen Hälfte ins Spiel kommen zu lassen. Natürlich war noch nicht alles rund. Als die Niederlande mehr Kontrolle über die Partie übernahm, geriet Deutschland zunehmend unter Druck. In der Nachspielzeit fiel der schließlich überfällige Ausgleich durch Cody Gakpo. Trotzdem zeigte das Spiel etwas Entscheidendes: Die Mannschaft scheint Klopps Idee anzunehmen.

Klopp testet eine Vielzahl an Spielern

Noch deutlicher wird Klopps Ansatz bei der Betrachtung seiner Aufstellungen. Für das Griechenland-Spiel veränderte der Bundestrainer seine Startelf auf fünf Positionen. Alexander Nübel rückte für Marc-André ter Stegen ins Tor, Yann Aurel Bisseck und Josha Vagnoman kamen neu in die Mannschaft. Zudem erhielten Younes Ebnoutalib und Debütant Bambasé Conté ihre Chance von Beginn an. Das kann kurzfristig für weniger Automatismen sorgen. Gleichzeitig zeigt es, dass Klopp bereit ist, neue Wege zu gehen.

Der Bundestrainer hat nicht den Anspruch, nach zwei Spielen bereits seine endgültige Startelf gefunden zu haben. Er testet Spieler, Rollen und Kombinationen. Das passt zu seinem grundsätzlichen Ansatz bei der Kaderplanung. Bei der Bekanntgabe seines ersten Aufgebots erklärte Klopp, man wolle die Spieler so vorbereiten, dass sie in den kommenden zwei bis drei Jahren auf höchstem Niveau konkurrenzfähig sein können. Es geht also nicht ausschließlich um die nächsten 90 Minuten.

Die Niederlage gegen Griechenland ist Teil des Lernprozesses

Das 0:1 gegen Griechenland war zweifellos ein Rückschlag. Deutschland hatte Schwierigkeiten, gegen den tief stehenden Gegner Lösungen zu finden. Doch auch dieses Spiel liefert Klopp wichtige Erkenntnisse. Denn eine Mannschaft, die einen neuen Fußball spielen soll, muss lernen, unterschiedliche Spielsituationen zu lösen. Gegen die Niederlande war Deutschland gefordert, aktiv zu pressen und gegen einen spielstarken Gegner zu verteidigen. Gegen Griechenland lag die Herausforderung vor allem darin, eine kompakte Defensive zu knacken.

Klopp selbst machte nach der Partie deutlich, dass Deutschland für das Spiel gegen einen tiefen Block noch nicht über die nötigen festen Abläufe verfügte. Nach so kurzer gemeinsamer Trainingszeit sei das für ihn jedoch nicht überraschend. Klopp fehlen aktuell nicht unbedingt die Ideen, ihm fehlt die Zeit, diese Ideen mit der Mannschaft vollständig einzustudieren.

Der neue Ansatz in der Kaderplanung

Besonders interessant wird deshalb der Blick auf die kommenden beiden Partien. Während der Großteil des ersten Kaders zu seinen Vereinen zurückkehrt, stoßen für die Spiele gegen Serbien und Griechenland 20 weitere Spieler zur Nationalmannschaft. Klopp bekommt damit ein deutlich verändertes Aufgebot zur Verfügung. Gleich neun Spieler des zweiten Kaders warten auf ihr Debüt in der A-Nationalmannschaft. Dazu gehören Noah Atubolu, Finn Dahmen, Jonas Urbig, Finn Jeltsch, Mika Baur, Said El Mala, Vitaly Janelt, Felix Keidel und Derry Scherhant. Aus dem ersten Kader bleiben lediglich Nico Schlotterbeck, Philipp Treu, Yannik Engelhardt, Bambasé Conté, Serge Gnabry und eben Dahmen bei der Mannschaft.

Besonders interessant dürfte dabei die Rückkehr von Florian Wirtz werden. Der Offensivspieler gehörte ursprünglich zum zweiten Kader, wurde nach den Verletzungen von Jamal Musiala und Kai Havertz aber bereits für das Griechenland-Spiel nachnominiert. Nun gehört er weiterhin zum Aufgebot für die kommenden Partien. Auch Jonathan Burkardt wurde entsprechend vorgezogen. Klopp hat die Möglichkeit, verschiedene offensive Kombinationen auszuprobieren. Gerade hier könnte sich zeigen, wie seine Spielidee mit den technisch starken Spielern des deutschen Kaders zusammenpasst und welche Spieler sich direkt in den Fokus spielen.

Klopp braucht Zeit, um die Mannschaft kennenzulernen

Die Versuchung ist groß, einen neuen Bundestrainer bereits nach zwei Spielen zu beurteilen. Ein Punkt aus zwei Begegnungen sieht auf dem Papier wenig beeindruckend aus. Doch ein solcher Blick greift bei Klopps Start zu kurz. Der neue Bundestrainer hat einen Kader übernommen, den er zunächst kennenlernen muss. Er muss Spieler beobachten, Rollen verteilen, Hierarchien entwickeln und gleichzeitig eine Spielidee etablieren.

Und das alles während einer Nations-League-Saison, in der es gleichzeitig um Punkte geht. Klopp selbst machte bereits vor seinem ersten Spiel deutlich, dass die Mannschaft Zeit benötigen werde. Perfektion könne zu diesem Zeitpunkt nicht das Ziel sein. Nach dem Spiel gegen die Niederlande sprach er von vielen positiven Eindrücken und betonte, dass man noch nicht auf dem Weg zur Perfektion gewesen sei. Das ist vielleicht die passendste Beschreibung für die ersten beiden Spiele.

Der Weg ist wichtiger als der perfekte Start

Deutschland hat unter Klopp noch keine fertige Identität entwickelt. Aber erste Bausteine sind erkennbar. Mehr Intensität, aggressiveres Anlaufen, schnelles Umschalten und eine größere Bereitschaft, jungen Spielern Verantwortung zu geben – das sind Elemente, die in den ersten Spielen sichtbar wurden. Gleichzeitig zeigen die Probleme gegen Griechenland, dass diese Idee noch nicht über 90 Minuten funktioniert. Das ist bei einem Neustart allerdings kaum überraschend.

Die kommenden Spiele gegen Serbien und Griechenland werden Klopp weitere Möglichkeiten geben, seine Vorstellungen umzusetzen. Gleichzeitig bekommt er mit Wirtz, Woltemade, Pavlovic, Anton, Raum und den zahlreichen Debütanten noch einmal eine Reihe neuer Optionen. Vielleicht ist deshalb die wichtigste Frage nach den ersten beiden Spielen nicht, warum Deutschland noch nicht funktioniert, sondern, wie weit Klopp seine Mannschaft in den kommenden Monaten entwickeln kann. Der Start war nicht perfekt. Aber er war der Beginn eines Umbruchs. Und für einen solchen Umbruch braucht selbst ein Trainer wie Jürgen Klopp vor allem eines: Zeit.

Nations League 2026/27: Die aktuelle Tabelle

Gruppe 2

Nationalmannschaft Sp. S U N Tore Diff. Pkt.
1 Griechenland Griechenland 2 2 0 0 3:1 +2 6
2 Niederlande Niederlande 2 1 1 0 3:2 +1 4
3 Deutschland Deutschland 2 0 1 1 1:2 -1 1
4 Serbien Serbien 2 0 0 2 2:4 -2 0
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Abstieg

DFB-Team: Die nächsten Spiele von Deutschland im Überblick

Do. 01.10.2026
🌍 UEFA NL, 3. Spt
Deutschland Deutschland
Do. 20:45
Serbien Serbien
So. 04.10.2026
🌍 UEFA NL, 4. Spt
Griechenland Griechenland
So. 20:45
Deutschland Deutschland

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