Philipp Treu feierte beim 1:1-Unentschieden gegen die Niederlande am vergangenen Donnerstag sein Debüt im Trikot der deutschen Nationalmannschaft. „Mehr als erfreulich“, attestierte Rudi Völler seine Leistung beim RTL nach der Partie. Neu-Bundestrainer Jürgen Klopp setzte sogar noch einen drauf und nannte es eine „außergewöhnliche Leistung“. Nach jahrelanger Debatte um einen Rechtsverteidiger im DFB-Team, könnte diese nun vorerst beendet sein.
Unser Sportsfreund der Woche: Philipp Treu!
„Stolz, den Adler auf der Brust tragen zu dürfen!“, schreibt der Freiburger nach seinem Debüt auf Instagram. Philipp Treu scheint vieles mitzubringen, was wir uns seit Philipp Lahm gewünscht haben: Nationalstolz, Unbekümmertheit, defensive Stabilität, Laufstärke, offensiven Mut – und die Fähigkeit, die Fans mitzureißen.
Auch die Daten von Sofascore unterstreichen den starken Auftritt: 10,6 Kilometer lief Treu – nur Joshua Kimmich spulte mehr Strecke ab. Zudem gewann der Freiburger fünf seiner sechs Zweikämpfe, brachte 94 Prozent seiner Pässe zum Mitspieler und kam auf einen xAssist-Wert von 0,83.
Toni Kroos dämpft die Erwartungen
Toni und sein Bruder Felix Kroos betreiben mit „Einfach mal Luppen“ einen erfolgreichen Podcast. In der vergangenen Ausgabe sprachen sie auch über das Debüt von Philipp Treu. „Treu habe ich noch nie gesehen vorher“, stellte Toni Kroos zunächst fest. Zwar habe der Freiburger „einen vernünftigen Eindruck“ hinterlassen, dennoch ist der ehemalige Nationalspieler nicht der Meinung, dass das „Rechtsverteidiger-Problem“ damit bereits gelöst sei.
„Lass uns doch mal ein paar Spiele angucken und nicht nur eins. Also ich finde, er hat einen ordentlichen Eindruck gemacht. Ein Kämpfer, der die Seite marschiert“, so Kroos. Immerhin gebe Treu „Hoffnung“, fügte der fünfmalige Champions-League-Sieger hinzu. Auch sein Bruder Felix Kroos plädiert dafür, Philipp Treu zunächst „Zeit zu geben“.
Die Einschätzung von Toni Kroos zeigt: Das Debüt des Freiburger Rechtsverteidigers war vielversprechend, doch die Erwartungen sollten nach einem einzigen Länderspiel nicht zu hoch geschraubt werden.
DENGOATZ sieht es etwas offensiver: Endlich haben wir im DFB-Dress wieder einen echten Rechtsverteidiger gesehen, der nicht nur Hoffnung macht, sondern bereits bei seinem Debüt gezeigt hat, was in ihm steckt. Daher unser Appell an den 25-Jährigen: Mach bitte weiter so!
Philipp Treu: Sein Weg zum deutschen Nationalspieler
Philipp Treu wurde am 3. Dezember 2000 in Heidelberg geboren. Seine ersten Schritte im Fußball machte er in der Jugend des TSV Wieblingen. Bereits im Alter von zehn Jahren wurde der SV Sandhausen auf ihn aufmerksam und konnte ihn von einem Wechsel überzeugen. Drei Jahre später ging es für Treu zu den Roten Teufeln des 1. FC Kaiserslautern. 2015 klopfte schließlich RB Leipzig an und wollte den quirligen Spieler für sich gewinnen. Der damals 15-Jährige zog deshalb nach Sachsen und wechselte ins Nachwuchsleistungszentrum der Leipziger.
Über die U17 führte Treus Weg anschließend wieder näher in die Heimat: zum SC Freiburg, wo er in der U19 spielte. Im Herrenbereich absolvierte er insgesamt 68 Spiele für die Zweitvertretung der Breisgauer.
2023 entschied sich Treu für einen Wechsel zum FC St. Pauli. Bereits in seiner ersten Saison gelang ihm mit den Kiezkickern der Aufstieg von der 2. Bundesliga in die Bundesliga. Treu kam dabei auf 26 Einsätze und steuerte ein Tor sowie zwei Vorlagen bei. Nach einigen Kurzeinsätzen zu Beginn der Saison entwickelte er sich ab dem 12. Spieltag zum absoluten Stammspieler bei St. Pauli. Das änderte sich auch nach dem Aufstieg nicht. In der Bundesliga-Saison 2024/25 war Treu nahezu durchgehend gesetzt und verpasste lediglich ein Bundesligaspiel aufgrund einer Oberschenkelverletzung.
Im Sommer 2025 kehrte Philipp Treu schließlich für eine Ablösesumme von rund fünf Millionen Euro zum SC Freiburg zurück.
Wie Philipp Treu zum Rechtsverteidiger wurde
Besonders interessant: Bis zum Ende der Saison 2024/25 wurde Philipp Treu überwiegend weiter vorne eingesetzt – unter anderem als offensiver Außenbahnspieler. Erst im Sommer 2025 rückte er beim SC Freiburg unter Julian Schuster dauerhaft auf die Position des Rechtsverteidigers.
Dabei war die Position keineswegs völlig neu für Treu. Bereits zuvor hatte er sowohl als Außen- als auch als Mittelfeldspieler Erfahrungen gesammelt. Schuster verpflichtete ihn in Freiburg jedoch als Außenverteidiger und fand damit offenbar eine Rolle, in der Treu seine Stärken besonders gut einbringen kann. Diese Positionsveränderung könnte seine Karriere nachhaltig beeinflusst haben. Denn ausgerechnet als Rechtsverteidiger gelang Treu der nächste große Schritt: der Sprung in die deutsche Nationalmannschaft.
Besonders traurig dürfte Treu über die neue Rolle inzwischen allerdings nicht sein. Denn zur Wahrheit gehört auch: Die Außenverteidigerposition bezeichnete er selbst schon zuvor als seine bevorzugte Position.
Ob Philipp Treu tatsächlich die langfristige Lösung auf der rechten Abwehrseite wird, werden die kommenden Länderspiele zeigen. Eines steht nach seinem Debüt gegen die Niederlande aber fest: Aus einem Spieler, den vor wenigen Monaten nur wenige auf dem Zettel hatten, ist plötzlich eine echte Option für das DFB-Team geworden.
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