Die Ära von Jürgen Klopp als Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft hat begonnen – und die ersten vier Spiele haben bereits einige interessante Erkenntnisse geliefert. Mit einem XXL-Aufgebot von insgesamt 44 Spielern wollte Klopp möglichst viele Akteure kennenlernen und sich ein möglichst genaues Bild von seinem neuen Team machen. 36 Spieler kamen letztlich tatsächlich zum Einsatz, gleich zehn von ihnen feierten dabei ihr Debüt im DFB-Trikot.
Sportlich verlief Klopps erster Lehrgang allerdings mit gemischten Gefühlen. Zum Auftakt erkämpfte sich Deutschland ein 1:1 in Amsterdam gegen die Niederlande, ehe es beim Heimdebüt des neuen Bundestrainers eine 0:1-Niederlage gegen Griechenland setzte. Gegen Serbien folgte anschließend beim überzeugenden 2:0 in München der erste Sieg der Klopp-Ära. Zum Abschluss kam die DFB-Elf in Thessaloniki trotz einer starken ersten Halbzeit nicht über ein 0:0 gegen Griechenland hinaus.
Unterm Strich stehen damit fünf Punkte aus vier Spielen und aktuell Platz drei in der Nations-League-Gruppe hinter den Niederlanden und Griechenland. Noch wichtiger als die nackten Ergebnisse war für Klopp allerdings die große Sichtung: Zahlreiche Spieler bekamen ihre Chance, einige nutzten sie eindrucksvoll.
Doch wer hat sich unter dem neuen Bundestrainer besonders in den Vordergrund gespielt? DENGOATZ nennt die drei größten Gewinner des ersten DFB-Lehrgangs unter Jürgen Klopp.
Philipp Treu
„Stolz, den Adler auf der Brust tragen zu dürfen!“, schrieb Philipp Treu nach seinem Debüt für die deutsche Nationalmannschaft auf Instagram. Stolz sein darf der Freiburger aber nicht nur auf das Tragen des DFB-Trikots, sondern vor allem auf seine Leistungen im ersten Lehrgang unter Jürgen Klopp.
Bei seinem Debüt gegen die Niederlande überzeugte der 26-Jährige auf Anhieb und erhielt von DENGOATZ die Note 2. Treu gehörte zudem zu den vier Spielern, die in beiden Lehrgangsgruppen dabei waren – und damit über den gesamten Zeitraum eine wichtige Rolle im neuen DFB-Team einnahmen.
Für seine Leistung in Amsterdam gab es anschließend viel Lob. „Mehr als erfreulich“, attestierte DFB-Sportdirektor Rudi Völler dem Freiburger im RTL-Interview. Bundestrainer Jürgen Klopp legte sogar noch eine Schippe drauf und sprach von einer „außergewöhnlichen Leistung“.
Treu nutzte seine Chance damit eindrucksvoll. Nach der jahrelangen Suche nach einer zuverlässigen Lösung auf der rechten Abwehrseite könnte die leidige Rechtsverteidiger-Debatte im DFB-Team zumindest vorerst beendet sein.
Philipp Treu haben wir bereits ausführlich unter die Lupe genommen. Hier geht es zum Artikel.
Tom Bischof
Tom Bischof gehörte zur zweiten Lehrgangsgruppe von Jürgen Klopp – und nutzte seine Chance eindrucksvoll. Der 21-Jährige stand in beiden Partien von Beginn an auf dem Platz und bildete gemeinsam mit seinem Münchner Mannschaftskollegen Aleksandar Pavlović die Doppelsechs. In der Schaltzentrale überzeugte das Duo auf Anhieb.
Bischof verkörpert vieles von dem, was es auf dieser Position braucht: Aggressivität, Spielverständnis, Laufbereitschaft, Übersicht und Torgefahr. Letztere stellte er gegen Serbien eindrucksvoll unter Beweis. Nachdem Florian Wirtz zunächst nur den Pfosten getroffen hatte, stand Bischof goldrichtig und schob zur 1:0-Führung ein.
Auch nach dem abschließenden 0:0 in Thessaloniki zog der Mittelfeldspieler ein positives Fazit. „Auch wenn wir heute gerne noch gewonnen hätten: Die Woche hat mir sehr viel Spaß gemacht“, sagte Bischof nach der Partie.
Bemerkenswert ist dabei auch seine Einstellung. Trotz seiner ersten Schritte in der A-Nationalmannschaft will Bischof seine Rolle bei der deutschen U21 offenbar nicht vorschnell aufgeben. Dort trägt der Bayern-Profi die Kapitänsbinde und möchte im kommenden Jahr bei der Europameisterschaft noch einmal angreifen.
Das sagt viel über den Charakter des 21-Jährigen aus. Bischof wirkt bodenständig, reflektiert und stellt sich trotz seines rasanten Aufstiegs stets in den Dienst der Mannschaft. Zwischen Bundesliga-Alltag beim FC Bayern und seinen ersten Einsätzen für die A-Nationalmannschaft verliert er offenbar nicht den Blick für das Wesentliche.
Sportlich hat er mit seinen Auftritten unter Klopp jedenfalls ein klares Ausrufezeichen gesetzt. Die Konkurrenz im zentralen Mittelfeld ist mit Spielern wie Joshua Kimmich, Felix Nmecha, Aleksandar Pavlović und Co. zwar groß. Doch Bischof hat gezeigt, dass er sich vor dieser Konkurrenz nicht verstecken muss. Der Gewinner der Fritz-Walter-Medaille 2024 darf sich deshalb berechtigte Hoffnungen auf weitere Einsätze unter Jürgen Klopp mache
Derry Scherhant
„Es ging alles sehr schnell. Ich muss das alles im Nachgang noch richtig sacken lassen. Wenn ich überlege, wo ich vor fünf, sechs Jahren war … U17 kein NLZ, U19 kein NLZ – und dann stehe ich hier und spiele für die deutsche Nationalmannschaft. Gänsehaut. Das bedeutet mir alles, dass ich hier dabei sein konnte.“
Die Worte von Derry Scherhant nach seinen ersten beiden Länderspielen zeigen eindrucksvoll, welchen Weg der Freiburger in den vergangenen Jahren zurückgelegt hat. Und vielleicht steht der 23-Jährige gerade erst am Anfang einer noch größeren Reise.
Kylian Mbappé, Michael Olise, Bukayo Saka, Vinícius Júnior, Lamine Yamal, Ousmane Dembélé, Raphinha, Désiré Doué – die Liste der Weltklasse-Flügelspieler ist lang. Einen deutschen Namen sucht man in dieser illustren Runde allerdings vergeblich. Gerade in den vergangenen Jahren fehlte der deutschen Nationalmannschaft ein Spieler, der mit Tempo, Dribblings und Mut im Eins-gegen-eins für Unberechenbarkeit sorgt.
Dabei sind genau diese Qualitäten gegen tiefstehende Gegner von enormer Bedeutung. Wenn der Gegner kompakt verteidigt und die Räume im Zentrum eng macht, braucht es Spieler, die bereit sind, ins Risiko zu gehen, Verteidiger zu binden und Situationen auch einmal im Alleingang aufzulösen.
Die Hoffnungen auf diese Rolle ruhten vor dem ersten Lehrgang unter Jürgen Klopp vor allem auf Lennart Karl, Said El Mala oder dem wiedererstarkten Karim Adeyemi. Derry Scherhant dürften dagegen vor einer Woche wohl nur die wenigsten auf dem Zettel gehabt haben.
Das hat sich innerhalb weniger Tage geändert. Sowohl gegen Serbien als auch gegen Griechenland gehörte der Freiburger zu den auffälligsten und gefährlichsten deutschen Spielern. Mit seinem Tempo, seiner direkten Spielweise und seiner Bereitschaft, immer wieder das Eins-gegen-eins zu suchen, brachte er genau jene Elemente auf den Platz, die der DFB-Elf zuletzt häufig gefehlt haben.
Einzig an seiner Effektivität kann der 23-Jährige noch arbeiten. Gerade auf internationalem Niveau entscheiden am Ende häufig die letzten Aktionen: der präzise Abschluss, der letzte Pass oder die richtige Entscheidung im entscheidenden Moment.
Von Weltklasse zu sprechen, wäre nach gerade einmal zwei Länderspielen natürlich viel zu früh. Doch wenn Scherhant seine Entwicklung in diesem Tempo fortsetzt, könnte sein Name irgendwann tatsächlich in einer Reihe mit den besten Flügelspielern Europas auftauchen. Dafür braucht es vor allem Konstanz und weitere Entwicklungsschritte.
Eines hat der Freiburger mit seinen ersten Auftritten unter Jürgen Klopp aber bereits geschafft: Er hat unglaublich viel Lust auf mehr gemacht. DENGOATZ ist sich deshalb sicher: Derry Scherhant wird auch im November Teil des DFB-Kaders sein.
DFB-Team, Nations League: Die Tabelle nach vier Spieltagen
Gruppe 2
| Nationalmannschaft | Sp. | S | U | N | Tore | Diff. | Pkt. | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 |
Niederlande
|
4 | 2 | 2 | 0 | 7:5 | +2 | 8 |
| 2 |
Griechenland
|
4 | 2 | 2 | 0 | 5:3 | +2 | 8 |
| 3 |
Deutschland
|
4 | 1 | 2 | 1 | 3:2 | +1 | 5 |
| 4 |
Serbien
|
4 | 0 | 0 | 4 | 3:8 | -5 | 0 |

