Jude Bellingham hat beim 7:0 gegen Kroatien einmal mehr gezeigt, warum er für die Three Lions so wichtig ist. Es gibt Abende, an denen ein Fußballer nicht einfach nur gut spielt. Es gibt Abende, an denen er ein Spiel quasi im Alleingang kontrolliert und am Ende zwangsläufig zurecht im Mittelpunkt steht. Für Jude Bellingham war der Auftritt gegen Kroatien genau so ein Abend. Beim deutlichen 7:0-Sieg der englischen Nationalmannschaft war der Mittelfeldspieler an vier Treffern direkt beteiligt. Doch die Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte. Bellingham war nicht nur der Spieler, der die Partie an sich riss, er war der zentrale Grund dafür, dass England Kroatien über die gesamte Spielzeit dominierte.
Damit unser Sportsfreund der Woche: Jude Bellingham!
Vom Wunderkind zum Führungsspieler
Gegen enttäuschende Kroaten war Bellingham wie so oft überall auf dem Platz zu finden: Er bot sich im Spielaufbau an, schaltete sich in den Angriff ein, setzte seine Mitspieler in Szene und sorgte gleichzeitig mit seiner Dynamik dafür, dass England nach Ballverlusten sofort wieder Druck ausüben konnte. Mal kam er selbst zum Abschluss, mal suchte er den letzten Pass. Und wenn sich keine offensive Möglichkeit ergab, arbeitete er gegen den Ball und hielt das kroatische Mittelfeld in Schach. Genau diese Vielseitigkeit macht ihn für England so wertvoll.
England verfügt über eine beeindruckende Ansammlung individueller Qualität: Harry Kane, Bukayo Saka, Anthony Gordon und zahlreiche weitere Offensivspieler können Spiele entscheiden. Doch Bellingham besitzt eine Eigenschaft, die hervorsticht: Er verbindet verschiedene Bereiche des Spiels miteinander. Er kann tief agieren und den Ball fordern. Er kann zwischen den Linien auftauchen. Er kann in den Strafraum stoßen. Und er kann selbst dann noch entscheidenden Einfluss nehmen, wenn England nicht im Ballbesitz ist. Bellingham ist Taktgeber einer Mannschaft, die jeden Gegner schlagen kann.
Noch vor wenigen Jahren wurde der Engländer vor allem als außergewöhnliches Talent wahrgenommen. Heute wirkt diese Beschreibung fast zu klein. Bellingham spielt seit Jahren auf dem höchstem Niveau und hat gelernt mit enormen Erwartungen umzugehen. Genau das war auch gegen Kroatien zu sehen. Bellingham spielte mit einer Selbstverständlichkeit, die für einen Spieler seines Alters bemerkenswert ist. Der Mittelfeldmotor der Briten ist gerade einmal 23 Jahre alt – und hat damit den Großteil seiner Karriere noch vor sich.
Bellingham kann unter Tuchel sein volles Potenzial ausschöpfen
Bei Real Madrid ist Jude Bellingham Teil eines Starensembles. Bei England gibt er selbst den Takt vor. Unter Thomas Tuchel wird dieser Unterschied besonders deutlich. Der Nationaltrainer gibt seinem Mittelfeldspieler eine Rolle, in der dessen Vielseitigkeit besonders zum Vorschein kommen kann. Bellingham ist bei Real Madrid längst einer der großen Namen, doch trotzdem ist seine Rolle im Klub eine andere als in der englischen Nationalmannschaft. Das liegt weniger an seiner individuellen Qualität als an den unterschiedlichen Anforderungen, die beide Mannschaften an ihn stellen.
Und genau hier kommt Thomas Tuchel ins Spiel. Der deutsche Trainer der Three Lions gibt ihm die Möglichkeit, sich innerhalb der taktischen Strukturen relativ frei zu bewegen. Tuchel organisiert die Mannschaft so, dass Bellinghams Positionswechsel aufgefangen werden. Es gelingt ihm immer mehr die Variabilität Bellinghams zu nutzen, ohne dabei die taktische Ordnung zu verlieren. Das Ergebnis ist ein Bellingham, der im englischen Trikot nicht zwangsläufig spektakulärer, aber zentraler wirkt. Und genau das könnte für England entscheidend sein: Nicht der Bellingham, der überall gleichzeitig sein muss, sondern der Bellingham, der durch seine Freiheit dort auftaucht, wo England ihn gerade braucht.
Ein 7:0 als Signal an Europa
Natürlich sollte man ein einzelnes Spiel nicht überbewerten. Der Kantersieg bedeutet nicht automatisch, dass England plötzlich unschlagbar ist. Und auch Bellinghams überragende Vorstellung gegen Kroatien garantiert keine Titel. Doch die Art und Weise, wie England auftrat, war bemerkenswert. Tuchels Mannschaft kam nicht ausschließlich über ihre individuelle Klasse, sondern schuf immer wieder Situationen, in denen genau diese Klasse zur Geltung kam. Ein Team mit außergewöhnlichen Spielern kann ein Spiel gewinnen, ein Team, das seine außergewöhnlichen Spieler in ein funktionierendes System einbindet, kann über einen längeren Zeitraum gefährlich werden und um Titel mitspielen.
Mit dem höchsten Erfolg des bisherigen Wettbewerbs verschafften sich die Three Lions auch in der Gruppe eine hervorragende Ausgangslage. Mit zwei Heimsiegen in den nächsten beiden Spielen gegen Tschechien und abermals Kroatien, käme es am letzten Spieltag womöglich zum Endspiel gegen die Spanier um den Gruppensieg. Die Spanier um den erneut überragenden Lamine Yamal gewannen ihr Heimspiel mit 3:1 gegen die Tschechen und sind weiterhin Tabellenführer. Der 7:0-Erfolg der Konkurrenz, dürfte jedoch auch beim aktuellen Weltmeister für Eindruck gesorgt haben: Die Engländer kommen mehr und mehr in ihren Rhythmus – und Bellingham ist der Dirigent des Starorchesters.
Nations League: Die aktuelle Tabelle der England-Gruppe
Gruppe 3
| Nationalmannschaft | Sp. | S | U | N | Tore | Diff. | Pkt. | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 |
Spanien
|
3 | 3 | 0 | 0 | 10:4 | +6 | 9 |
| 2 |
England
|
3 | 2 | 0 | 1 | 11:3 | +8 | 6 |
| 3 |
Kroatien
|
3 | 1 | 0 | 2 | 3:12 | -9 | 3 |
| 4 |
Tschechien
|
3 | 0 | 0 | 3 | 2:7 | -5 | 0 |

