Was geschah eigentlich heute (01.10) im Jahr…

…1977?

Es gibt Fußballspiele, bei denen das Ergebnis schon vor dem Anpfiff nebensächlich ist. Der 1. Oktober 1977 ist so ein Abend. Im Giants Stadium von New Jersey haben sich 75.646 Menschen versammelt. Die New York Cosmos treffen auf den FC Santos. Doch die Zuschauer sind vor allem wegen eines einzigen Spielers gekommen: Pelé. Er ist 36 Jahre alt und steht vor seinem letzten Einsatz als Profi. Hinter ihm liegen drei Weltmeistertitel, zwei Jahrzehnte auf höchstem Niveau und eine Karriere, die ihn vom jungen Talent aus Brasilien zu einem der bekanntesten Menschen der Welt gemacht hat. Noch einmal trägt er das Trikot der Cosmos. Noch einmal das von Santos. Und kurz vor der Halbzeit gelingt ihm sogar das, was für seine Karriere so typisch war: Er erzielt ein Tor. Es ist sein letzter Treffer als Profi. Es ist das Ende einer Ära und der letzte Auftritt eines Mannes, der den Fußball auf eine bis dahin kaum gekannte Weise in die Welt getragen hat.

Mit 17 Jahren beginnt die Legende

Wenn man verstehen will, warum dieser Abend so besonders ist, muss man 19 Jahre zurückgehen. Pelé ist gerade einmal 17 Jahre alt. Ein Teenager, der mit der brasilianischen Nationalmannschaft bei seiner ersten Weltmeisterschaft in Schweden antritt. Was danach passiert, gehört zu den berühmtesten Kapiteln der Fußballgeschichte. Pelé erzielt im Halbfinale gegen Frankreich drei Tore. Im Finale gegen Gastgeber Schweden trifft er zweimal. Brasilien gewinnt 5:2 und Pelé wird mit 17 Jahren zum jüngsten Weltmeister der Geschichte.

Eines seiner Tore im Finale entsteht nach einer Aktion, die bis heute sinnbildlich für den jungen Pelé steht: Ballannahme, Lupfer über den Gegenspieler, Abschluss. Ein Teenager spielt, als hätte er den Fußball erfunden. Dabei beginnt seine Geschichte nicht im Rampenlicht. Pelé wächst in einfachen Verhältnissen in Brasilien auf. Sein Vater Dondinho war selbst Fußballer. Als der neunjährige Edson seinen Vater nach Brasiliens Niederlage gegen Uruguay bei der Weltmeisterschaft 1950 weinen sieht, verspricht er ihm: Er werde eines Tages die Weltmeisterschaft gewinnen. Nur acht Jahre später löst er dieses Versprechen ein.

Pelé gewinnt drei Weltmeistertitel mit Brasilien

1958 ist jedoch nur der Anfang, 1962 wird Brasilien erneut Weltmeister. Pelé gehört zum Team, verletzt sich allerdings früh im Turnier und kann nicht mehr entscheidend eingreifen. Trotzdem erhält er seine zweite Weltmeistermedaille. 1966 folgt der Tiefpunkt. Brasilien scheidet bereits in der Vorrunde aus. Pelé wird hart attackiert und verletzt sich, die WM wird für Brasilien zum Albtraum. Doch vier Jahre später kommt Mexiko. Und dort wird aus einem außergewöhnlichen Fußballer endgültig eine Ikone.

Die brasilianische Mannschaft von 1970 gilt bis heute als eine der berühmtesten Mannschaften der Fußballgeschichte. Im Finale schlägt Brasilien Italien mit 4:1, Pelé erzielt das erste brasilianische Tor und spielt beim  vierten Treffer den entscheidenden Pass auf Carlos Alberto, der den Ball mit voller Wucht ins Netz jagt. Die Bilder dieses Tores gehen um die Welt. Pelé wird zum ersten und bis heute einzigen Spieler, der drei Weltmeisterschaften gewonnen hat – 1958, 1962 und 1970. Zwölf Jahre nach seinem ersten WM-Triumph ist der Junge aus Brasilien endgültig zum „O Rei“ geworden: zum König des Fußballs.

Der Brasilianer wird zum „Popstar“ des Fußballs

Pelés Bedeutung lässt sich allerdings nicht allein mit Titeln erklären. Er veränderte auch die Vorstellung davon, wie ein Fußballstar aussehen konnte. Er war technisch versiert, schnell, sprungstark und beidfüßig. Er konnte dribbeln, schießen, köpfen und zugleich Situationen auf dem Platz lesen, bevor sie entstanden. Doch mindestens genauso wichtig war seine Ausstrahlung. Pelé machte Fußball zum globalen Spektakel. Sein Gesicht wurde weltweit bekannt. Er tauchte in Filmen und Werbekampagnen auf, traf Politiker, Schauspieler und Musiker. Während andere Spieler vor allem Helden ihres Vereins oder ihres Landes waren, wurde Pelé zu einer internationalen Marke.

1975 wechselte Pelé in die USA zum New York Cosmos. Der Transfer galt als sportlich ungewöhnlich, doch der Brasilianer kam nicht mehr auf dem Höhepunkt seiner Karriere nach Amerika. Er war bereits Weltmeister, mehrfacher Titelträger und internationaler Superstar. Aber genau das machte ihn für die Cosmos so wertvoll. Plötzlich interessierten sich auch Menschen für Fußball, die zuvor kaum ein Spiel gesehen hatten. Die Stadien füllten sich und der Fußball wurde Teil der New Yorker Popkultur. Später kamen noch weitere Weltstars wie Franz Beckenbauer und Carlos Alberto zu den Cosmos. 

Was vom König bleibt

Die Diskussion darüber, wer der „größte“ Fußballer aller Zeiten ist, wird nie enden. Andere Spieler haben Rekorde gebrochen. Andere haben in Europa mehr Titel gesammelt. Andere haben Fußballtaktik und Trainingsmethoden auf neue Ebenen gehoben. Doch Pelés Bedeutung liegt in einer anderen Dimension. Er verband Brasilien mit dem Rest der Welt. Er machte aus dem Fußball mehr als ein Spiel. Und er half dabei, den Sport in einem Land bekannt zu machen, in dem Fußball zunächst kaum eine Rolle spielte.

Seine Karriere überspannte dabei eine bemerkenswerte Zeitspanne: vom Schwarz-Weiß-Fernsehen der 1950er-Jahre bis zur modernen Medienwelt der 1970er. Sein Einfluss ging sogar über seine aktive Karriere hinaus. Pelé blieb Botschafter des Fußballs, trat bei Weltmeisterschaften auf und wurde zu einer Figur, die Generationen von Spielern beeinflusste. Jedes Mal, wenn ein junger Spieler einen Ball über einen Gegenspieler lupft, wenn ein Kind auf einem Bolzplatz mit der Nummer 10 auf dem Rücken spielt oder wenn Fußball wieder einmal als „schönes Spiel“ gefeiert wird, ist ein Teil dieser Geschichte noch immer da. Der König hat den Platz verlassen. Aber sein Spiel ist geblieben.

Pelé in Zahlen

Fakt Information
3 Weltmeistertitel: 1958, 1962, 1970
4 Weltmeisterschaften, an denen er teilnahm
17 Jahre Alter bei seinem ersten WM-Titel
1 Einziger Spieler mit drei Weltmeistertiteln
1956 Beginn seiner Zeit bei Santos
1975 Wechsel zu New York Cosmos
1. Oktober 1977 Letztes Profispiel
36 Jahre Alter bei seinem Karriereende

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