13 von 16 Relegationen gewonnen: Warum sich Erstligisten fast immer durchsetzen

Nach 34 Spieltagen in der 1. und 2. Bundesliga herrscht bei den meisten Vereinen Klarheit über die kommende Saison. Mit Ausnahme von zwei Mannschaften: Der 16. der Bundesliga und der Drittplatzierte der 2. Bundesliga kämpfen in der Relegation um den letzten Platz im deutschen Fußball-Oberhaus. In diesem Jahr treffen der VfL Wolfsburg und der SC Paderborn aufeinander. Das Hinspiel endete torlos 0:0, sodass das heutige Rückspiel darüber entscheidet, wer in der kommenden Saison erstklassig spielt. Die Statistik spricht dabei klar für den Bundesligisten: In 13 von 16 Fällen seit der Wiedereinführung der Relegation setzte sich der Erstligist durch.

Doch woran liegt das eigentlich? Welche Faktoren sprechen regelmäßig für den Bundesligisten und warum schaffen Zweitligisten den Sprung ins Oberhaus nur selten? DENGOATZ geht den Gründen auf den Grund.

Die finanziellen Unterschiede sind enorm

Der wohl größte Vorteil des Bundesligisten liegt im finanziellen Bereich. Während Zweitligisten meist mit deutlich kleineren Budgets arbeiten müssen, verfügen viele Erstligisten über Kader, deren Marktwert ein Vielfaches höher liegt.

Das zeigt sich auch im diesjährigen Duell zwischen dem VfL Wolfsburg und dem SC Paderborn. Der Kader der Niedersachsen besitzt aktuell einen Marktwert von rund 234,60 Millionen Euro und ist damit fast sechsmal so wertvoll wie der des SCP, der auf 40,58 Millionen Euro kommt.

Besonders deutlich wird die Diskrepanz bei einem Blick auf die Einzelspieler. Dennis Seimen, der vom VfB Stuttgart ausgeliehen ist, gilt mit einem Marktwert von zehn Millionen Euro als wertvollster Spieler im Paderborner Kader. Dahinter folgt Innenverteidiger Mattes Hansen mit 2,5 Millionen Euro. Beim VfL Wolfsburg gibt es lediglich sechs Spieler, die einen geringeren Marktwert als Hansen besitzen – drei davon sind Ersatztorhüter. Der wertvollste Wolfsburger ist Mohamed Amoura mit einem Marktwert von 27 Millionen Euro und damit nahezu so viel wert wie zwei Drittel des gesamten Paderborner Kaders.

Natürlich gewinnen Marktwerte keine Fußballspiele. Sie zeigen jedoch, welche individuelle Qualität einem Verein grundsätzlich zur Verfügung steht. Gerade in engen Relegationsduellen kann ein einzelner Spieler mit einem besonderen Moment den Unterschied ausmachen – und genau solche Akteure finden sich häufiger in Bundesliga-Kadern als in der 2. Liga.

Bundesliga-Erfahrung kann zum entscheidenden Faktor werden

Neben der individuellen Qualität spielt auch die Erfahrung eine entscheidende Rolle. Viele Bundesligisten verfügen über Spieler, die bereits über Jahre hinweg auf höchstem Niveau aktiv waren und Drucksituationen kennen, in denen ein einziges Spiel über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.

Ein Blick auf die Kader zeigt, wie groß der Unterschied zwischen dem VfL Wolfsburg und dem SC Paderborn tatsächlich ist. Die Wolfsburger bringen es aktuell auf insgesamt 1.971 Bundesliga-Einsätze, während der gesamte Paderborner Kader lediglich auf 175 Spiele in Deutschlands höchster Spielklasse kommt.

Allein VfL-Kapitän Maximilian Arnold steht bei 400 Bundesliga-Partien. Hinzu kommen 45 Tore und 49 Vorlagen. Dahinter folgen Yannick Gerhardt mit 295 Bundesliga-Spielen sowie Jonas Wind mit 114 Einsätzen, 32 Toren und elf Vorlagen. Diese drei Spieler vereinen damit bereits deutlich mehr Bundesliga-Erfahrung auf sich als der gesamte Kader des SC Paderborn.

Bei den Ostwestfalen verfügen lediglich Sven Michel und Steffen Tigges über nennenswerte Bundesliga-Erfahrung. Michel absolvierte für Union Berlin 85 Bundesligaspiele und sammelte dabei 13 Tore sowie fünf Vorlagen. Tigges kommt auf insgesamt 70 Bundesliga-Partien für Borussia Dortmund und den 1. FC Köln. Dabei gelangen ihm zwölf Treffer und eine Vorlage. Zusammen vereinen beide Spieler 155 der insgesamt 175 Bundesliga-Einsätze des gesamten Paderborner Kaders auf sich.

Gerade in Relegationsspielen können solche Erfahrungswerte entscheidend sein. Während zahlreiche Wolfsburger Profis bereits über Jahre hinweg gegen Bayern München, Borussia Dortmund oder Bayer Leverkusen gespielt haben, betreten viele Akteure des SC Paderborn eine Bühne, auf der sie bislang kaum Erfahrungen sammeln konnten.

Internationale Erfahrung auf einem anderen Niveau

Noch deutlicher wird der Unterschied bei einem Blick auf die internationale Bühne. Der aktuelle Wolfsburger Kader bringt es auf insgesamt 129 Einsätze in der UEFA Champions League sowie weitere 169 Partien in der Europa League. Der gesamte Paderborner Kader kommt dagegen auf lediglich drei Champions-League- und acht Europa-League-Einsätze.

Ein Paradebeispiel dafür ist Christian Eriksen. Der Däne lief in seiner Karriere für Ajax Amsterdam, Tottenham Hotspur, Inter Mailand und Manchester United auf und gehört zu den renommiertesten Spielern dieser Relegation. Allein in der Champions League absolvierte Eriksen 53 Spiele, hinzu kommen weitere 55 Einsätze in der Europa League. Dazu kommen zahlreiche Länderspiele für Dänemark sowie Teilnahmen an Europa- und Weltmeisterschaften.

Auch seine Teamkollegen verfügen über internationale Erfahrung. Spieler wie Maximilian Arnold, Denis Vavro, Lovro Majer, Jesper Lindstrøm oder Joakim Maehle waren bereits in europäischen Wettbewerben oder auf internationaler Ebene aktiv und kennen die Anforderungen solcher Spiele.

Auf Paderborner Seite sieht die Situation deutlich anders aus. Sven Michel absolvierte sechs Europa-League-Partien für Union Berlin und erzielte dabei sogar zwei Treffer gegen Royale Union Saint-Gilloise. Steffen Tigges sammelte zwei Europa-League-Einsätze für Borussia Dortmund gegen die Glasgow Rangers und ist gleichzeitig der einzige Spieler im aktuellen Paderborner Kader mit Champions-League-Erfahrung. Seine drei Einsätze für den BVB stammen aus den Spielzeiten 2020/21 und 2021/22.

Genau hier zeigt sich einer der größten Unterschiede zwischen Erst- und Zweitligisten. Christian Eriksen allein bringt mit 108 Einsätzen in Champions League und Europa League fast zehnmal so viel internationale Erfahrung mit wie der gesamte Kader des SC Paderborn zusammen. Solche Erfahrungen lassen sich weder trainieren noch innerhalb weniger Wochen aufholen.

Wenn vor ausverkauftem Stadion jede Aktion über Bundesliga oder 2. Bundesliga entscheidet, können Spieler, die bereits Champions-League-Abende oder Europa-League-Spiele haben, einen entscheidenden Vorteil besitzen. Genau deshalb ist Erfahrung einer der wichtigsten Gründe dafür, dass sich der Erstligist in der Relegation so häufig durchsetzt.

Der psychologische Vorteil liegt oft beim Erstligisten

Auf den ersten Blick scheint der Zweitligist die bessere Ausgangslage zu haben. Schließlich hat er eine erfolgreiche Saison gespielt und kämpft um den Aufstieg. In der Praxis zeigt sich jedoch häufig ein anderes Bild.

Der Bundesligist weiß, dass er grundsätzlich die Qualität besitzt, um sich durchzusetzen. Gleichzeitig hat er mit Hin- und Rückspiel zwei Chancen, seine individuelle Klasse auf den Platz zu bringen. Über 180 Minuten setzen sich die qualitativen Unterschiede zwischen den Kadern häufig eher durch als in einer einzelnen Partie. Würde die Relegation nur aus einem Spiel bestehen, sähe die Statistik seit der Wiedereinführung womöglich deutlich ausgeglichener aus.

Der Zweitligist dagegen steht oft vor der größten Herausforderung der vergangenen und möglicherweise auch kommenden Jahre. Für viele Vereine und Spieler ist die Relegation eine einmalige Gelegenheit, den Sprung in die Bundesliga zu schaffen. Entsprechend groß sind die Erwartungen im Umfeld, bei den Fans und innerhalb der Mannschaft.

Nicht selten wirkt die Angst, eine historische Chance zu verpassen, schwerer als die Sorge des Bundesligisten vor dem Abstieg. Während der Erstligist seinen Platz verteidigen will, muss der Zweitligist Geschichte schreiben. Genau dieser zusätzliche Druck kann in entscheidenden Momenten zum Faktor werden.

Die Relegation belohnt den Status quo

Ein Argument, das immer wieder diskutiert wird: Die Relegation bevorzugt grundsätzlich den Bundesligisten.

Der Erstligist hat über 34 Spieltage zwar keine ausreichende Saison gespielt, erhält aber dennoch eine zweite Chance. Der Drittplatzierte der 2. Bundesliga hingegen hat sich über eine komplette Spielzeit für den Aufstieg empfohlen und muss sich trotzdem noch in zwei zusätzlichen Endspielen durchsetzen.

Viele Experten sehen darin einen strukturellen Vorteil für den Bundesligisten. Der Vertreter der höheren Liga muss seinen Platz verteidigen, während der Zweitligist ihn aktiv erobern muss.

Die Zahlen der vergangenen Jahre scheinen diese Sichtweise größtenteils zu bestätigen.

Die Schere zwischen den Ligen wird immer größer

Letztlich laufen viele Faktoren auf einen zentralen Punkt hinaus: Die Unterschiede zwischen der 1. und 2. Bundesliga werden immer größer.

Höhere TV-Einnahmen, größere Sponsorenverträge, wertvollere Kader und mehr internationale Erfahrung sorgen dafür, dass viele Bundesligisten selbst in einer schwachen Saison noch über bessere Voraussetzungen verfügen als die Spitzenteams der 2. Liga.

Genau deshalb ist es kaum überraschend, dass sich der Erstligist in 13 von 16 Relegationen behaupten konnte.

Alle Relegationsduelle seit der Wiedereinführung 2009

Relegation zur Bundesliga seit der Wiedereinführung 2008/09
Saison Bundesligist Zweitligist Ergebnis
2023/24 VfL Bochum Fortuna Düsseldorf 3:3 (6:5 i. E.)
2022/23 VfB Stuttgart Hamburger SV 6:1
2021/22 Hertha BSC Hamburger SV 2:1
2020/21 1. FC Köln Holstein Kiel 5:2
2019/20 Werder Bremen 1. FC Heidenheim 2:2
2018/19 VfB Stuttgart 1. FC Union Berlin 2:2
2017/18 VfL Wolfsburg Holstein Kiel 4:1
2016/17 VfL Wolfsburg Eintracht Braunschweig 2:0
2015/16 Eintracht Frankfurt 1. FC Nürnberg 2:1
2014/15 Hamburger SV Karlsruher SC 3:2
2013/14 Hamburger SV SpVgg Greuther Fürth 1:1
2012/13 TSG 1899 Hoffenheim 1. FC Kaiserslautern 5:2
2011/12 Hertha BSC Fortuna Düsseldorf 3:4
2010/11 Borussia Mönchengladbach VfL Bochum 2:1
2009/10 1. FC Nürnberg FC Augsburg 3:0
2008/09 Energie Cottbus 1. FC Nürnberg 0:5

Wer zeigt das Relegations-Rückspiel zwischen dem SC Paderborn und dem VfL Wolfsburg heute live im TV & Livestream?

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