…1971?
Im jugoslawischen Mostar erblickt die spätere bosnische Fußballikone Sergej Barbarez das Licht der Welt. Seine Geschichte erzählt von einem Fußballer, dessen Karriere durch den Krieg in seiner Heimat eine unerwartete Wendung nahm, von einem charismatischen Bundesliga-Stürmer und HSV-Idol und schließlich von einem Trainer, der Bosnien und Herzegowina 2026 zurück auf die große WM-Bühne führte.
Ein Junge aus Mostar
Seine fußballerische Heimat war der FK Velež Mostar. Dort durchlief er die Jugend und schaffte als Teenager den Sprung in den Profibereich. Doch Barbarez war nicht ausschließlich Fußballer. In seiner Jugend spielte er auch Basketball auf hohem Niveau. Seine sportliche Zukunft lag schließlich dennoch auf dem Rasen. Bei Velež entwickelte er sich zum Offensivspieler, ehe ein Besuch bei seinem Onkel in Hannover sein Leben grundlegend verändern sollte.
1991 reiste Barbarez nach Deutschland. Während seines Aufenthalts verschärfte sich die Situation in seiner Heimat dramatisch. Der beginnende Krieg in Jugoslawien machte eine Rückkehr unmöglich. Sein Vater riet ihm, in Deutschland zu bleiben. Aus einem zunächst vorübergehenden Aufenthalt wurde so der Beginn einer jahrzehntelangen Verbindung zu Deutschland.
Der ungewöhnliche Weg in die Bundesliga
In Hannover bekam Barbarez die Gelegenheit zu einem Probetraining bei den Amateuren von Hannover 96. Frank Pagelsdorf, damals Trainer der Amateurmannschaft, erkannte sein Potenzial. Barbarez überzeugte und erhielt schließlich die Chance bei den Profis. In der Saison 1992/93 kam er in der 2. Bundesliga zum Einsatz. Dort konnte Barbarez in 18 Partien zwei Treffer erzielen.
Sein nächster Schritt führte ihn 1993 zu Union Berlin. In der damals drittklassigen Oberliga Nordost entwickelte sich der technisch starke Offensivspieler zu einem Torjäger. Für Union erzielte er in drei Spielzeiten zahlreiche Treffer und machte sich damit für höhere Aufgaben interessant. 1996 wechselte Barbarez zu Hansa Rostock und damit in die Bundesliga. Zwei Jahre später folgte der Schritt zu Borussia Dortmund. Seine Karriere nahm endgültig Fahrt auf und führte ihn im Sommer 2000 zum Hamburger SV.
Barbarez wird zur Kultfigur beim HSV
Hamburg wurde zu seiner zweiten Heimat. Zwischen 2000 und 2006 entwickelte sich Barbarez beim HSV zu einer der prägenden Figuren des Vereins. Er war technisch versiert, torgefährlich und spielte mit einer Mischung aus Eleganz und Emotionalität, die ihn zu einem Publikumsliebling machte. Seine wohl herausragendste individuelle Bundesliga-Saison erlebte er 2000/01: Mit 22 Toren wurde Barbarez Bundesliga-Torschützenkönig, gemeinsam mit Schalkes Ebbe Sand.
Auch seine gesamte HSV-Bilanz ist bemerkenswert. Von 2000 bis 2006 kam Barbarez in 216 Pflichtspielen auf 76 Tore. Der HSV bezeichnet ihn deshalb bis heute als eine der großen Vereinslegenden. 2006 verließ er Hamburg und schloss sich Bayer Leverkusen an. Zwei weitere Jahre spielte er in der Bundesliga, ehe er 2008 seine aktive Karriere beendete. Insgesamt bestritt Barbarez für deutsche Vereine mehr als 400 Pflichtspiele.
Parallel zu seiner Vereinskarriere wurde Barbarez zu einem wichtigen Gesicht des bosnisch-herzegowinischen Fußballs. Zwischen 1998 und 2006 absolvierte er 47 Länderspiele und erzielte 17 Tore. Für viele Anhänger verkörperte er eine Generation, die nach dem Krieg eine eigene Fußballidentität aufbaute. Nach seinem Karriereende blieb Barbarez dem HSV verbunden. Zwischen 2009 und 2010 gehörte er sogar dem Aufsichtsrat der Hamburger an.
Vom Fußballer zum Trainer – Barbarez führt Bosnien zur Weltmeisterschaft
Barbarez hatte bereits nach seiner aktiven Laufbahn Trainerambitionen, trotzdem arbeitete er zunächst nicht als Vereinstrainer. Erst im April 2024 bekam er die Chance, auf die er lange gewartet hatte: Der bosnisch-herzegowinische Verband ernannte ihn zum Nationaltrainer. Barbarez übernahm eine Mannschaft, die seit der WM 2014 kein großes Turnier mehr erreicht hatte. Dabei war seine Vergangenheit als Nationalspieler ein wichtiger Teil seiner neuen Rolle. Barbarez kannte die Erwartungen an die Nationalmannschaft aus eigener Erfahrung und wollte nach eigenen Aussagen wieder eine stärkere emotionale Verbindung zwischen Mannschaft, Fans und Land schaffen.
Seinen bislang größten Erfolg als Trainer feierte Barbarez im Jahr 2026. Bosnien und Herzegowina qualifizierte sich erstmals seit 2014 wieder für eine Weltmeisterschaft. Damit schloss sich für Barbarez ein Kreis: Als Spieler hatte er Bosnien und Herzegowina als Kapitän vertreten und als Trainer führte er das Land zwölf Jahre nach der ersten WM-Teilnahme wieder zu einer Endrunde. Dort erreichte Bosnien die Runde der letzten 32, in der man mit 0:2 gegen Gastgeber USA ausschied.
Wenn Sergej Barbarez an seinem 55. Geburtstag zurückblickt, liegen zwischen dem Jungen aus Mostar und dem Nationaltrainer von Bosnien und Herzegowina 35 Jahre Fußballgeschichte. Das ist vor allem die Geschichte eines Mannes, dessen Leben durch den Krieg eine Richtung bekam, die niemand vorhersehen konnte. Barbarez kam nach Deutschland, weil er nicht in seine Heimat zurück konnte. Und während andere auf eine lange Karriere zurückblicken, steht Barbarez noch immer an der Seitenlinie.
Sergej Barbarez: Seine Karriere als Spieler und Trainer
Spielerkarriere
| Jahre | Station | Spiele | Tore |
|---|---|---|---|
| 1989–1991 | FK Velež Mostar | – | – |
| 1992–1993 | Hannover 96 | 18 | 2 |
| 1993–1996 | 1. FC Union Berlin | 88 | 46 |
| 1996–1998 | Hansa Rostock | 59 | 13 |
| 1998–2000 | Borussia Dortmund | 36 | 6 |
| 2000–2006 | Hamburger SV | 174 | 65 |
| 2006–2008 | Bayer 04 Leverkusen | 61 | 11 |
Nationalmannschaft
| Jahre | Auswahl | Spiele | Tore |
|---|---|---|---|
| 1998–2006 | Bosnien und Herzegowina | 47 | 17 |
Trainerkarriere
| Zeitraum | Verein & Funktion | Amtsantritt | Spiele | PPS |
|---|---|---|---|---|
| 2024–heute | Bosnien und Herzegowina Nationaltrainer |
19.04.2024 | 26 | 1,31 |
Sergej Barbarez: Steckbrief
Steckbrief
| Name | Sergej Barbarez |
|---|---|
| Geburtstag | 17. September 1971 (54) |
| Geburtsort | Mostar, Jugoslawien (heutiges Bosnien und Herzegowina) |
| Größe | 188 cm |

