Sportsfreund der Woche: Younes Ebnoutalib

Younes Ebnoutalib im Trikot von Eintracht Frankfurt mit seinem Schatten im Deutschland-Trikot

Der Deutsch-Marokkaner erlebte am vergangenen Samstag einen Nachmittag, den er so schnell wohl nicht vergessen wird. Beim Auswärtsspiel bei Union Berlin traf der 22-Jährige gleich dreimal und zeigte eindrucksvoll, warum er für die Eintracht in Zukunft mehr als nur eine Alternative im Angriff sein kann: Ebnoutalib war jedes Mal dort, wo ein Stürmer sein muss. Am Ende stand ein 3:3 auf der Anzeigetafel. Für Frankfurt fühlt sich das Ergebnis nach einer vergebenen Chance an, für Ebnoutalib könnte es der Startschuss einer großen Karriere sein.

Ebnoutalib verkörpert den modernen Stürmer

Drei Tore in einem Bundesliga-Spiel: Für einen 22-Jährigen, der sich seinen Platz in der höchsten deutschen Spielklasse erst noch erarbeiten muss, ist das eine Ansage. Der Dreierpack erzählt viel über die Qualitäten des Angreifers. Ebnoutalib benötigt nicht zwangsläufig Großchancen, um zu treffen. Er erkennt Situationen, antizipiert Fehler und bleibt im entscheidenden Moment ruhig.
Das ist die vielleicht wichtigste Eigenschaft eines Stürmers: Im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein.

Ebnoutalib scheint eine Gabe zu haben, die gerade im modernen Fußball besonders wertvoll ist: Er kann eine Partie mit wenigen Aktionen verändern. Er arbeitet gegen den Ball, reagiert aggressiv auf gegnerische Fehler und bewegt sich mit einer Selbstverständlichkeit im Strafraum, die für einen Spieler seines Alters bemerkenswert ist. Wenn Ebnoutalib diese Entwicklung in den nächsten Wochen und Monaten bestätigen kann, könnte aus dem jungen Angreifer langfristig ein wichtiger Bestandteil der Frankfurter Offensive werden.

Die schwere Verletzung hat ihn noch stärker gemacht

Der Angreifer wechselte im Januar von der SV Elversberg nach Frankfurt. Kurz nach seinem Einstand folgte jedoch ein herber Rückschlag: Eine schwere Knieverletzung setzte ihn lange außer Gefecht. Monatelang musste Ebnoutalib zuschauen, während andere Spieler um Plätze und Minuten kämpften. Rehabilitation statt Bundesliga. Geduld statt Torjubel. Umso bemerkenswerter ist die Art und Weise, wie er nun zurückgekehrt ist.

Sein Dreierpack gegen Union war kein Zufall. Es ist das Ergebnis von harter Arbeit und gleichzeitig ein Beleg dafür, dass eine lange Zwangspause einen Torinstinkt offenbar nicht auslöscht. Bereits im Pokalspiel beim SC St. Tönis traf der junge Angreifer und bereitete einen weiteren Treffer vor. Oft hört man die Plattitüde „come back stronger“, selten hat sie mehr zugetroffen als im Fall von Younes Ebnoutalib.

Frankfurt profitiert von der Variabilität des Angreifers

Ebnoutalib ist für die Eintracht jedoch weit mehr als nur ein weiterer Mittelstürmer. Seine Kombination aus Körperlichkeit, Laufbereitschaft, Tiefgang und Abschlussstärke eröffnet Trainer Adi Hütter verschiedene Möglichkeiten, die Frankfurter Offensive variabler zu gestalten. Mit 1,91 Metern Körpergröße bringt Ebnoutalib definitiv die physische Präsenz mit, um als Zielspieler zu agieren. Er muss jedoch nicht ausschließlich der Stürmer sein, der im Strafraum auf die letzte Flanke wartet.Ebnoutalib kann Verteidiger beschäftigen, Räume für Mitspieler öffnen, Bälle festmachen und anschließend selbst in die gefährliche Zone nachstoßen. Er ist technisch versiert, laufstark und durchsetzungsfähig in der Box. Gerade diese Kombination macht ihn taktisch interessant. Für Adi Hütter liegt die Herausforderung nun darin, aus dieser individuellen Qualität ein funktionierendes Mannschaftskonzept zu entwickeln.

Selbstverständlich darf man aus nur einem Spiel keine endgültigen taktischen Schlussfolgerungen ziehen. Frankfurt erzielte zwar drei Treffer, gab die 3:1-Führung aber noch aus der Hand und spielte letztlich nur 3:3 Remis. Das zeigt, dass die offensive Qualität des Teams nicht automatisch bedeutet, dass die Balance stimmt.

Muss sich Jürgen Klopp schon beeilen?

Der Dreierpack gegen Union könnte für Ebnoutalib nicht nur bei Eintracht Frankfurt einiges verändern. Auch beim DFB dürfte man genauer hinschauen. Am 17. September wird Jürgen Klopp seinen ersten Kader als neuer Bundestrainer bekannt geben – und gerade auf der Mittelstürmerposition sind neue Optionen gefragt. Ebnoutalib wäre eine davon.

Seine Mutter ist Deutsche, sein Vater Marokkaner. Ein A-Länderspiel hat der 22-Jährige bislang nicht bestritten, sodass ihm weiterhin beide Türen offenstehen. Der marokkanische Nationaltrainer Mohamed Ouahbi saß beim Spiel gegen Union sogar auf der Tribüne. Die ersten Kontakte zum marokkanischen Fußballverband soll es bereits gegeben haben. Über eine Kommunikation mit dem Deutschen Fußball-Bund ist dagegen bislang nichts bekannt.

Der Vorteil scheint aktuell bei Marokko zu liegen. Doch die deutsche Nationalmannschaft besitzt nach wie vor eine enorme Strahlkraft. Sollte Jürgen Klopp tatsächlich Kontakt zu Ebnoutalib aufnehmen, dürfte es für den Stürmer schwer werden, dieser Chance zu widerstehen. In der jüngeren Vergangenheit betonte er bereits, für beide Nationen offen zu sein. Nun könnte aus dieser theoretischen Möglichkeit schneller als gedacht eine echte Entscheidung werden.

Younes Ebnoutalib: Seine Karriere im Überblick

Jahr Verein
2022 Rot-Weiß Frankfurt
2023 AC Perugia Calcio
2024 FC Gießen
2025 SV Elversberg
seit 2026 Eintracht Frankfurt

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