Frank Schmidt und der FCH: Warum Kontinuität jetzt wichtiger denn je ist

Der 1. FC Heidenheim steckt in einer sportlichen Krise. Daran gibt es wenig zu beschönigen. Der Bundesliga-Abstieg im vergangenen Sommer war bereits ein herber Rückschlag. Doch der Start in die neue Saison macht die Situation nicht besser. Nach einem missglückten Auftakt in der 2. Bundesliga, folgte am vergangenen Wochenende der nächste Tiefpunkt: Beim Regionalligisten SSV Jeddeloh II verlor der FCH im DFB-Pokal mit 2:5 und verabschiedete sich bereits in der ersten Runde aus dem Wettbewerb. Besonders bitter: Heidenheim kassierte dabei innerhalb von nur drei Pflichtspielen bereits zwölf Gegentore.

Warum der 1. FC Heidenheim trotzdem an Frank Schmidt festhalten muss, erfahrt Ihr hier bei DENGOATZ.

Die bisherigen Pflichtspiele vom FC Heidenheim in der Saison 2026/27

2. Bundesliga

1. FC Heidenheim 1846

2026/27
1. Spieltag 08.08.2026
1. FC Heidenheim 1846 1. FC Heidenheim 1846
4 : 3 Sieg
VfL Osnabrück VfL Osnabrück
2. Spieltag 15.08.2026
Hertha BSC Hertha BSC
4 : 1 Niederlage
1. FC Heidenheim 1846 1. FC Heidenheim 1846
🏆
DFB-Pokal

1. Runde

1. Runde 23.08.2026
SSV Jeddeloh II SSV Jeddeloh II
5 : 2 Niederlage
1. FC Heidenheim 1846 1. FC Heidenheim 1846

Schmidt kennt die Höhen und Tiefen des Geschäfts

Ein Saisonbeginn, der auch Trainer-Legende Frank Schmidt nicht kalt lassen kann. Dennoch gilt: So schlecht die aktuelle sportliche Situation auch ist, es wäre zu einfach, sämtliche Probleme auf den Trainer zu reduzieren. Und vielleicht wäre es sogar der größte Fehler, den der 1. FC Heidenheim in dieser schwierigen Phase machen könnte.

Um die aktuelle Situation richtig einzuordnen, muss man verstehen, was Frank Schmidt für den 1. FC Heidenheim bedeutet. Seit 2007 ist Schmidt Cheftrainer des Vereins. Was damals als Trainerstation eines ambitionierten Regionalligisten begann, entwickelte sich zu einer der außergewöhnlichsten Erfolgsgeschichten des deutschen Fußballs. Schmidt führte Heidenheim aus den unteren Ligen bis in die Bundesliga.

Er erlebte Aufstiege, Rückschläge, finanzielle Grenzen, Veränderungen im Kader und schließlich sogar europäischen Fußball. Er hat den Verein nicht einfach nur trainiert. Er hat ihn mitgeprägt. Das macht ihn nicht unantastbar. Aber es bedeutet, dass man seine Arbeit nicht anhand von drei oder fünf schlechten Spielen bewerten sollte.

Der FCH ist auf der Suche nach einer neuen Identität

Wer Schmidt heute ausschließlich nach den jüngsten Ergebnissen beurteilt, ignoriert beinahe zwei Jahrzehnte Vereinsgeschichte. Die aktuelle Krise ist real, hat jedoch mehrere Ursachen. Natürlich kann man nicht behaupten, Frank Schmidt trage keine Verantwortung. Ein Trainer ist für die sportliche Entwicklung einer Mannschaft verantwortlich. Wenn eine Mannschaft defensiv so instabil auftritt wie der FCH derzeit, muss sich auch der Trainer unangenehme Fragen gefallen lassen.

Zwölf Gegentore in drei Pflichtspielen sind alarmierend. Noch problematischer ist die Art und Weise, wie diese Gegentore teilweise entstanden sind. Gegen Jeddeloh II zeigte Heidenheim massive defensive Schwächen und erlaubte dem Außenseiter, eine 3:1-Führung mit in die Pause zu nehmen. Am Ende stand eine 2:5-Niederlage – eine der größten Pokalblamagen der jüngeren Vereinsgeschichte.

Heidenheim hat in den vergangenen Jahren einen erheblichen Umbruch erlebt. Der Bundesliga-Abstieg bedeutet nicht nur den Verlust einer Liga. Er bedeutet Veränderungen im Kader, bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, bei der Wahrnehmung des Vereins und bei den Erwartungen. Und genau diese Faktoren müssen zusammen betrachtet werden. Der Abstieg hat Spuren hinterlassen. Heidenheim war immerhin drei Jahre lang Bundesligist. Das allein ist für einen Verein mit den Möglichkeiten des FCH eine außergewöhnliche Leistung.

Aber Bundesliga-Fußball verändert einen Klub. Die Erwartungen steigen. Die Gegner werden stärker. Spieler werden begehrter. Der Kader verändert sich. Und irgendwann kann eine Mannschaft an einem Punkt ankommen, an dem das ursprüngliche Erfolgsmodell nicht mehr automatisch funktioniert. Der FCH benötigt Zeit, um die neuen Gegebenheiten anzunehmen.

Ein Trainerwechsel birgt auch immer ein gewisses Risiko

Das Problem ist: Fußballvereine haben diese Zeit heutzutage kaum noch. Bereits nach wenigen Niederlagen werden Trainer infrage gestellt. Nach einem schlechten Saisonstart wird von einer Krise gesprochen. Nach einer Pokalblamage wird über einen kompletten Neuanfang diskutiert. Doch manchmal braucht eine Mannschaft keinen Neuanfang. Manchmal braucht sie Stabilität.
Und genau die kann Frank Schmidt liefern.

Was würde ein Trainerwechsel jetzt tatsächlich bringen? Das ist die vielleicht wichtigste Frage. Ein neuer Trainer übernimmt und bringt neue Ideen ein. Vielleicht verändert er das System. Vielleicht verändert er die Hierarchie in der Mannschaft. Vielleicht funktioniert das kurzfristig sogar. Aber gleichzeitig muss dieser Trainer einen Verein kennenlernen, dessen Strukturen Schmidt seit fast 20 Jahren kennt. Er muss die Mannschaft kennenlernen. Er muss verstehen, welche Spieler welche Rollen übernehmen können. Er muss die Mentalität des Vereins verstehen. Und er muss vor allem herausfinden, was Heidenheim eigentlich wieder sein möchte. Frank Schmidt muss all das nicht. Er kennt Heidenheim. Das ist in einer Krise ein gewaltiger Vorteil.

Aber was, wenn Schmidt die Mannschaft irgendwann wirklich nicht mehr erreicht?

Natürlich gibt es einen Punkt, an dem auch die Verdienste der Vergangenheit nicht mehr ausreichen. Ein Trainer darf nicht allein wegen seiner Geschichte geschützt werden. Schmidt hat aufgrund seiner Geschichte einen Vertrauensvorschuss verdient – aber dieser ist nicht unbegrenzt. Genau deshalb muss Schmidt jetzt liefern!

Heidenheim sollte trotzdem weiterhin an Schmidt festhalten

Die DNA des FCH ist gerade wichtiger denn je. Heidenheim war nie der Klub, der mit großem finanziellen Aufwand spektakulären Fußball versprochen hat. Der FCH war erfolgreich, weil er unbequem war. Weil er gearbeitet hat.Weil die Mannschaft über 90 Minuten intensiv und unangenehm war. Weil sie als Einheit auftrat.Weil Spieler sich weiterentwickeln konnten. Und weil der Verein eine klare Identität hatte.

Diese Eigenschaften waren ein wesentlicher Bestandteil des Aufstiegs bis in die Bundesliga. Jetzt, nach dem Abstieg, scheint genau diese Identität etwas verloren gegangen zu sein. Die entscheidende Aufgabe lautet deshalb nicht unbedingt, eine völlig neue Fußballidee zu entwickeln.Vielleicht geht es vielmehr darum, die alte wiederzufinden?!
Und wer könnte diese Aufgabe besser übernehmen als der Trainer, der diese Identität über Jahre aufgebaut hat?

Frank Schmidt weiß, wie man mit Rückschlägen umgeht. Er hat mit Heidenheim bereits schwierige Phasen erlebt. Der Verein ist nicht deshalb groß geworden, weil immer alles funktioniert hat. Der Weg nach oben war geprägt von Rückschlägen, knappen Entscheidungen und Situationen, in denen andere Vereine möglicherweise nervös geworden wären. Schmidt und Heidenheim haben sich dagegen immer wieder auf das Wesentliche konzentriert.

Der 52-Jährige selbst stand beim Pokalspiel nicht an der Seitenlinie. Er war aufgrund einer Sperre aus der vergangenen Pokalsaison nicht im Innenraum und musste die Partie von der Tribüne verfolgen. Das macht die Niederlage nicht weniger peinlich. Aber es zeigt, warum man die Partie nicht als alleinigen Beweis dafür verwenden kann, dass Schmidt die Mannschaft nicht mehr erreicht. Viel entscheidender wird sein, wie die Mannschaft in den kommenden Wochen reagiert. Jetzt zeigt sich, ob Frank Schmidt die Mannschaft noch erreicht. Genau darin liegt die eigentliche Bewährungsprobe.

2. Bundesliga, 1. FC Heidenheim: Die nächsten 5 Spiele im Überblick

3. Spieltag 29.08.2026
1. FC Heidenheim 1846 1. FC Heidenheim 1846
13:00 Anstoß
Dynamo Dresden Dynamo Dresden
4. Spieltag 06.09.2026
SpVgg Greuther Fürth SpVgg Greuther Fürth
13:30 Anstoß
1. FC Heidenheim 1846 1. FC Heidenheim 1846
5. Spieltag 13.09.2026
1. FC Heidenheim 1846 1. FC Heidenheim 1846
13:30 Anstoß
Holstein Kiel Holstein Kiel
6. Spieltag 20.09.2026
Arminia Bielefeld Arminia Bielefeld
13:30 Anstoß
1. FC Heidenheim 1846 1. FC Heidenheim 1846
7. Spieltag 09-11.10.2026
1. FC Heidenheim 1846 1. FC Heidenheim 1846
Anstoß
1. FC Kaiserslautern 1. FC Kaiserslautern

*Der 7. Spieltag ist von der DFL noch nicht terminiert.

2. Bundesliga, 1. FC Heidenheim: Wer zeigt die Spiele vom FCH?

Alle Spiele der 2. Bundesliga werden live bei Sky übertragen. Der Pay-TV-Sender besitzt die Übertragungsrechte für die zweithöchste deutsche Spielklasse und zeigt somit auch alle Spiele des 1. FC Heidenheim.

Die Spiele können im Livestream über Sky Go oder WOW verfolgt werden.

Für die Nutzung der Sky-Angebote ist ein kostenpflichtiges Abonnement erforderlich.

2. Bundesliga, 2026/27: Die Tabelle vor dem 3. Spieltag

Pl. Team Sp. S U N Tore Diff. Punkte
1 1. FC Nürnberg 2 2 0 0 7:2 +5 6
2 Hertha BSC 2 2 0 0 5:1 +4 6
3 Karlsruher SC 2 1 1 0 2:1 +1 4
4 VfL Wolfsburg (A) 2 1 1 0 1:0 +1 4
5 Eintracht Braunschweig 2 1 0 1 6:2 +4 3
6 Arminia Bielefeld 2 1 0 1 4:2 +2 3
7 VfL Bochum 2 1 0 1 1:1 0 3
8 Energie Cottbus (N) 2 1 0 1 3:4 -1 3
9 1. FC Heidenheim (A) 2 1 0 1 5:7 -2 3
10 1. FC Magdeburg 2 1 0 1 4:6 -2 3
11 Dynamo Dresden 2 1 0 1 1:3 -2 3
12 Holstein Kiel 2 0 2 0 4:4 0 2
13 FC St. Pauli (A) 2 0 2 0 3:3 0 2
14 1. FC Kaiserslautern 2 0 2 0 0:0 0 2
15 SV Darmstadt 98 2 0 1 1 2:3 -1 1
16 SpVgg Greuther Fürth 2 0 1 1 3:5 -2 1
17 Hannover 96 2 0 0 2 1:4 -3 0
18 VfL Osnabrück (N) 2 0 0 2 3:7 -4 0
Direkter Aufstieg
Aufstiegsrelegation
Abstiegsrelegation
Direkter Abstieg

Weitere News

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert