Warum der VfB Stuttgart am Saisonende unter den Top 3 landet

VfB Stuttgart mit Trainer Sebastian Hoeneß und jubelnden Spielern

Der VfB Stuttgart hat in den vergangenen Jahren eine Entwicklung genommen, die ihn wieder zu einem ernstzunehmenden Faktor im deutschen Fußball gemacht hat. Nach der Vizemeisterschaft 2024, dem Gewinn des DFB-Pokals 2025 und der erneuten Champions-League-Teilnahme sind die Ansprüche rund um die MHPArena gestiegen. Der VfB ist längst nicht mehr nur ein Klub, der um Europa kämpfen möchte – Stuttgart will sich dauerhaft in der Spitzengruppe der Bundesliga etablieren.

Natürlich ist eine Top-3-Platzierung nach Saisonende keine Selbstverständlichkeit. Der Saisonstart verlief in der Bundesliga mit drei Punkten aus drei Spielen durchwachsen, zudem zeigte die Niederlage bei der TSG Hoffenheim defensive Schwächen.

DENGOATZ verrät Euch, warum der VfB Am Ende der Saison trotzdem in den Top 3 landet.

Genug Qualität für den Kampf um die Top 3

Der VfB hat mittlerweile nicht mehr nur eine starke erste Elf. Das ist vielleicht der größte Unterschied zu früher. Auf vielen Positionen kann Sebastian Hoeneß reagieren, ohne sofort einen deutlichen Qualitätsverlust hinnehmen zu müssen.

In der Offensive gibt es mit Deniz Undav, Ermedin Demirović und Neuzugang Dzenan Pejčinović drei Angreifer, die Spiele auf unterschiedliche Weise entscheiden können. Undav ist stark zwischen den Linien, sucht Kombinationen und bringt eine gewisse Unberechenbarkeit mit. Demirović arbeitet viel gegen den Ball, attackiert Räume und hat zuletzt mit seinem Dreierpack gegen Viking Stavanger gezeigt, wie gefährlich er vor dem Tor sein kann.

Pejčinović, der für 25 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg kam, gehört die Zukunft. Auch wenn er bisher nur im Pokal erfolgreich war, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis der 21-Jährige seinen Durchbruch bei den Schwaben schafft.

Dazu kommen Spieler wie Chris Führich, Jamie Leweling und Bilal El Khannouss. Sie bringen Tempo, Kreativität und unterschiedliche Fähigkeiten mit. Der VfB kann über die Flügel kommen, durch das Zentrum kombinieren oder mit schnellen Umschaltmomenten gefährlich werden. Für gegnerische Abwehrreihen ist das unangenehm, weil Stuttgart nicht auf einen einzigen Ablauf angewiesen ist. Eine solche Kombination aus Tempo, Technik und Flexibilität auf den Außenbahnen besitzen in der Bundesliga wohl nur der FC Bayern München.

Auch im Mittelfeld ist die Qualität vorhanden. Angelo Stiller ist für den Spielaufbau enorm wichtig. Er gibt dem VfB Ruhe am Ball, erkennt Räume früh und sorgt dafür, dass das Spiel nicht nur aus hektischen Vorwärtsbewegungen besteht. Gerade gegen Mannschaften, die tief stehen, braucht Stuttgart einen Spieler, der das Tempo kontrollieren kann.

Mit Grischa Prömel haben die VfB-Verantwortlichen um Fabian Wohlgemuth und Alexander Wehrle ein passendes Pendant zu Stiller gefunden. Der Sommerneuzugang von der TSG Hoffenheim schließt Räume, agiert mit seiner Erfahrung sehr intelligent und bringt eine gewisse Ruhe in das Stuttgarter Mittelfeld. Prömel ist kein Spieler, der ständig spektakulär auffällt. Gerade deshalb ist sein Wert für die Mannschaft leicht zu unterschätzen.

Allerdings hat der Kader – zumindest aktuell – auch eine klare Baustelle: die defensive Stabilität. Zwar besitzen die Cannstatter mit Jeff Chabot, Finn Jeltsch, Maximilian Mittelstädt, Ramon Hendriks und Joshua Vagnoman nominell starke Abwehrspieler. Der VfB muss es allerdings schaffen, nach Ballverlusten schneller wieder geschlossen zu stehen.

Gegen Hoffenheim wurde deutlich, dass gute offensive Ansätze allein nicht reichen. Wer unter die Top 3 will, darf sich nicht regelmäßig durch einfache Fehler selbst in Schwierigkeiten bringen. Die individuelle Qualität in der Abwehr ist vorhanden. Jetzt muss die Mannschaft diese Qualität auch als Verbund auf den Platz bringen.

Die Torhüterposition dürfte aktuell das größte Fragezeichen im Kader des VfB Stuttgart sein. Mit Dennis Seimen sollte eigentlich der vom SC Paderborn zurückgekehrte Torhüter die neue Nummer eins werden. Eine Muskelverletzung verhinderte bisher allerdings einen Einsatz des 20-Jährigen. Inzwischen steht Seimen wieder auf dem Platz und arbeitet an seinem Comeback. Der VfB rechnet mit einer Rückkehr Ende September.

Sein Stellvertreter Fabian Bredlow machte seine Sache bisher nahezu tadellos. Mit starken Paraden verhinderte er am ersten Spieltag gegen den FC Bayern eine höhere Niederlage. Auch am zweiten Spieltag gegen den 1. FC Köln hielt er seine Mannschaft mit wichtigen Paraden im Spiel und hatte damit maßgeblichen Anteil am ersten und bisher einzigen Saisonsieg der Schwaben.

Wenn man Bredlow überhaupt etwas ankreiden möchte, dann wäre es das 0:1 am dritten Spieltag gegen die TSG Hoffenheim. Beim Schuss von Adam Hložek hätte der 31-Jährige den Ball an einem guten Tag vielleicht halten können. Allerdings kam der Abschluss aus kurzer Entfernung. Von einem klaren Torwartfehler zu sprechen, wäre deshalb deutlich übertrieben.

Sollte Bredlow weiterhin solche Leistungen zeigen, könnte er möglicherweise auch nach der Rückkehr von Seimen die Nummer eins bleiben – ohne den VfB-Fans ein ungutes Gefühl zu vermitteln.

Die Qualität für eine Spitzenplatzierung ist allemal vorhanden. Entscheidend wird sein, ob Stuttgart sie über 34 Spieltage konstant auf den Platz bringt.

Hoeneß als entscheidender Faktor

Sebastian Hoeneß ist für den VfB mehr als nur der Trainer an der Seitenlinie. Er ist einer der Hauptgründe dafür, dass der Verein heute wieder mit größeren Zielen planen kann.

Als Hoeneß im Frühjahr 2023 übernahm, steckte Stuttgart tief im Abstiegskampf. Wenig später führte er die Mannschaft in die Champions League. In der darauffolgenden Saison wurde der VfB Vizemeister und qualifizierte sich erneut für die Königsklasse. 2025 kam mit dem DFB-Pokalsieg der nächste große Erfolg hinzu.

Diese Entwicklung ist kein Zufall. Hoeneß hat dem VfB eine klare Spielidee gegeben. Die Mannschaft soll mutig auftreten, aktiv verteidigen und mit dem Ball Lösungen finden. Dabei geht es nicht darum, in jedem Spiel blind nach vorne zu laufen. Der VfB soll den Gegner kontrollieren, ohne seine offensive Identität zu verlieren.

Besonders wichtig ist Hoeneß’ Umgang mit den Spielern. Er scheint ein gutes Gefühl dafür zu haben, wann ein Profi Vertrauen braucht und wann eine Veränderung notwendig ist. Junge Spieler werden nicht nur eingesetzt, weil der Kader dünn ist. Sie bekommen Chancen, wenn sie taktisch zur jeweiligen Aufgabe passen.

Das zeigte sich auch bei der Entscheidung, gegen Hoffenheim nach der Verletzung von Angelo Stiller auf den jungen Yanik Spalt zu setzen. Hoeneß entschied sich damit nicht automatisch für den erfahrenen Atakan Karazor, sondern für eine Lösung, die dem Spielstil von Angelo Stiller möglichst nahekommen sollte.

Für den VfB ist das ein großer Vorteil. Die Mannschaft kennt die Abläufe, die Anforderungen und die Idee des Trainers. Ein neuer Trainer müsste erst wieder eine eigene Struktur aufbauen. Hoeneß kann dagegen an Details arbeiten – und genau diese Details werden im Kampf um die Champions-League-Plätze entscheidend sein.

Kein Ausverkauf: Warum die Mannschaft zusammenbleibt

Der VfB Stuttgart musste in den vergangenen Jahren damit leben, dass erfolgreiche Spieler das Interesse größerer Vereine auf sich ziehen. Nach der Vizemeisterschaft und dem DFB-Pokalsieg war deshalb durchaus die Gefahr vorhanden, dass die Mannschaft auseinanderfällt (wie in der Vergangenheit bei einigen anderen Vereinen). Dass Leistungsträger den Verein verlassen, ist im heutigen Fußball schließlich keine Überraschung. Außer du bist Spieler vom VfB – Die Spieler wollten nicht gehen!

Besonders interessant wurde es am Ende der Sommer-Transferphase. Aus den Medien war zu erfahren, dass die VfB-Verantwortlichen offenbar gerne noch einen sogenannten Big Player verkauft hätten, um zusätzliche Einnahmen zu generieren. Namen wie Jamie Leweling, Bilal El Khannouss oder Ermedin Demirović wurden in diesem Zusammenhang genannt. Doch der mögliche Ausverkauf blieb aus.

Nicht, weil es kein Interesse gab. Sondern offenbar auch deshalb, weil die Spieler selbst nicht gehen wollten. Und genau das ist bemerkenswert. Im heutigen Fußball gibt es genügend Vereine, die mit höheren Gehältern, größeren Namen und vermeintlich besseren sportlichen Perspektiven locken können. Für viele Profis wäre ein solcher Schritt naheliegend. In Stuttgart scheint die Situation allerdings eine andere zu sein.

Die Spieler fühlen sich beim VfB wohl. In der Mannschaft, im Trainerteam und im gesamten Staff scheint ein Umfeld entstanden zu sein, das weit über das normale Arbeitsverhältnis hinausgeht. Die Profis wissen, welche Rolle sie im Team spielen. Sie kennen die Abläufe, vertrauen dem Trainer und haben gemeinsam erlebt, wie schnell sich der Verein vom Abstiegskandidaten zum Champions-League-Teilnehmer entwickelt hat. Warum sollte man also etwas verlassen, das sportlich funktioniert und sich gleichzeitig richtig anfühlt?

Natürlich lässt sich von außen nicht beurteilen, welche Gedanken jeder einzelne Spieler bei einem möglichen Angebot hatte. Doch dass mehrere Leistungsträger dem VfB erhalten geblieben sind, sendet ein klares Signal: Die Mannschaft sieht offenbar weiterhin eine gemeinsame Perspektive in Stuttgart.

Ein eingeschworener Kern

Für den VfB ist das ein großer Vorteil. Ein erfolgreicher Kader besteht nicht nur aus Qualität, sondern auch aus Vertrauen. Spieler müssen wissen, wie ihre Mitspieler denken, welche Laufwege sie bevorzugen und wie der Trainer in bestimmten Situationen reagiert. Diese Automatismen entstehen nicht innerhalb weniger Wochen.

Stuttgart muss deshalb nicht wieder bei null anfangen. Der Verein kann auf einem eingespielten Kern aufbauen. Ein Kern, der bereits bewiesen hat, dass er große Ziele erreichen kann – und der offenbar noch nicht das Gefühl hat, am Ende seiner gemeinsamen Reise angekommen zu sein.

Für die Fans ist das ein wichtiges Zeichen. Sie sehen keine Mannschaft, die nur aus Einzelspielern besteht, die auf den nächsten großen Wechsel wartet. Sie sehen eine Gruppe, die sich mit dem Verein identifiziert und gemeinsam weiterkommen möchte.

Ob dieser Zusammenhalt am Ende tatsächlich für eine Top-3-Platzierung reicht, wird sich zeigen. Aber eines ist klar: Der VfB Stuttgart hat sich durch den Verbleib seiner Leistungsträger eine wichtige Grundlage bewahrt. Und vielleicht ist genau das einer der größten Vorteile gegenüber der Konkurrenz.

Die Erfahrung aus Europa

Die erste Champions-League-Saison des VfB Stuttgart verlief enttäuschend. Nach einer starken Bundesliga-Saison bekam die Mannschaft in der Königsklasse schnell zu spüren, dass auf diesem Niveau jeder Fehler bestraft wird. Stuttgart sammelte wichtige Erfahrungen, schaffte es damals aber nicht, sich für die nächste Runde zu qualifizieren.

In der vergangenen Europa-League-Saison zeigte sich der VfB deutlich gefestigter. Die Schwaben lieferten starke Auftritte ab, behaupteten sich gegen namhafte Gegner und erreichten die K.-o.-Phase. Erst gegen den FC Porto war Schluss. Gegen den portugiesischen Traditionsklub hielt Stuttgart über weite Strecken gut mit, scheiterte am Ende aber an der internationalen Abgeklärtheit und der eigenen Chancenverwertung.

Genau darin liegt die wichtigste Lehre aus den vergangenen beiden Europapokal-Jahren: Gut mitzuspielen reicht auf internationaler Bühne nicht. In den entscheidenden Momenten muss eine Mannschaft eiskalt und konzentriert sein.

Der VfB hat inzwischen erlebt, wie sich große Spiele anfühlen. Die Spieler kennen das höhere Tempo, den Druck und die Qualität der Gegner. Gleichzeitig wissen sie, dass sie sich auch gegen international erfahrene Mannschaften nicht verstecken müssen.

Diese Erfahrung kann im Bundesliga-Alltag noch wichtig werden. Gerade in engen Spielen entscheiden häufig Kleinigkeiten. Der VfB muss nicht mehr lernen, mit großen Namen umzugehen. Er muss nur noch lernen, solche Partien regelmäßig für sich zu entscheiden.

Europa hat Stuttgart in den vergangenen Jahren nicht nur gefordert, sondern auch näher an die Spitze der Bundesliga gebracht.

VfB Stuttgart: Die Platzierungen der letzten 5 Jahre

Saison Endplatzierung
2021/22 Platz 15
2022/23 Platz 16
2023/24 Platz 2
2024/25 Platz 9 & DFB-Pokalsieger
2025/26 Platz 4

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