AS Roma: Zwischen Aufbruch und Scudetto-Traum

AS Roma Spieler feiern im Trikot den erfolgreichen Saisonstart und träumen vom Scudetto

Es sind Zahlen, die in Rom Erinnerungen wecken. Vier Spiele, vier Siege, zwölf Punkte, zwölf erzielte Tore und nur ein Gegentreffer: Die AS Roma ist furios in die neue Saison der Serie A gestartet. Nach dem 2:0 beim FC Turin steht die Mannschaft von Gian Piero Gasperini gemeinsam mit Inter Mailand an der Tabellenspitze. Am Samstag kommt es zum ersten großen Gipfeltreffen der Saison, wenn die Mailänder in Rom antreten.

Noch vor wenigen Monaten wäre eine solche Momentaufnahme kaum als selbstverständlich betrachtet worden. Jetzt ist sie Realität und sie verändert die Wahrnehmung eines Klubs, der in den vergangenen Jahren immer wieder zwischen großen Ambitionen und enttäuschenden Phasen pendelte. Die Fans der Roma lechzen nach den alten glorreichen Zeiten und ihre Mannschaft könnte am Wochenende ein erstes großes Statement in Richtung Konkurrenz abgeben.

Gasperini gibt der Roma eine fußballerische Identität

Der vielleicht wichtigste Unterschied zur Vergangenheit sitzt an der Seitenlinie. Gian Piero Gasperini hat der Roma eine erkennbare fußballerische Handschrift gegeben. Sein System lebt von hoher Intensität, aggressivem Pressing, flexiblen Bewegungen und einer Dreierkette, die sich im Ballbesitz immer wieder in unterschiedliche Strukturen verwandelt. Gegen Torino zeigte sich eine weitere Qualität: Die Roma musste nicht permanent dominant auftreten, um das Spiel zu kontrollieren. Obwohl Torino zeitweise mehr Ballbesitz hatte, blieb Rom defensiv stabil und schlug in den entscheidenden Momenten zu.

Gasperini versucht nicht, aus der Roma eine Mannschaft zu machen, die nur über individuelle Klasse gewinnt. Stattdessen soll ein System entstehen, in dem die einzelnen Spieler ihre Stärken besser zur Geltung bringen. Besonders deutlich wird das bei Paulo Dybala und Donyell Malen. Gasperini selbst hob nach dem Sieg in Turin die Verbindung der beiden Offensivspieler hervor. Donyell Malen hat nach vier Spieltagen sechs Treffer auf dem Konto. Damit nähert er sich bereits statistischen Regionen, die in Rom nostalgische Gefühle auslösen. Denn die Roma war immer dann besonders erfolgreich, wenn große individuelle Qualität und eine klare taktische Idee ineinander griffen.

In der Saison 2000/01 führte Fabio Capello den Klub zum dritten und bislang letzten Scudetto der Vereinsgeschichte. Die heutige Mannschaft ist natürlich nicht mit jener Meistermannschaft um Francesco Totti, Gabriel Batistuta und Cafu gleichzusetzen. Aber die Parallele liegt weniger in einzelnen Spielern als in der Stimmung: Zum ersten Mal seit längerer Zeit wirkt die Roma nicht nur ambitioniert, sondern strukturell vorbereitet, um ambitionierte Ziele tatsächlich zu erreichen.

Kann die Roma wirklich um den Scudetto spielen?

Nach vier Spieltagen wäre es zu früh, aus dem perfekten Start einen Meisterschaftsanspruch abzuleiten. Zwölf Punkte sind eine hervorragende Ausgangslage, aber noch kein Beweis für die Qualität über 38 Spieltage. Am Samstag wartet Inter Mailand – ebenfalls mit vier Siegen aus vier Spielen. Die Partie im Olimpico ist damit die erste direkte Standortbestimmung zwischen zwei Mannschaften, die momentan ganz oben stehen. Gasperini bezeichnete das Duell selbst als Gelegenheit, sich mit dem derzeitigen Spitzenniveau zu messen.

Für die Roma wird außerdem entscheidend sein, wie sie mit der Doppelbelastung umgeht. Nach zehn Jahren kehrte der Klub in dieser Saison in die Champions League zurück. Zum Auftakt gab es ein 1:1 bei Fenerbahçe Istanbul. Damit ist die europäische Bühne wieder Teil des römischen Alltags und genau diese zusätzlichen Spiele können im Frühjahr über eine Saison entscheiden. Die Frage lautet deshalb weniger, ob die Roma im September 2026 Meisterschaftskandidat ist. Sie lautet vielmehr, ob sie dieses Niveau bis März oder April dauerhaft auf den Rasen bringen kann.

Die Kaderbreite wird zum Zünglein an der Waage

Ein entscheidender Faktor dabei könnte die Kaderbreite sein. Gasperini hat bereits gezeigt, dass er rotieren möchte und Leistungsträger wie Dybala, Malen oder Cristante nicht zwangsläufig jedes Spiel über die volle Distanz einsetzen muss. Gegen Torino konnte die Roma trotz Rotation souverän gewinnen. Gleichzeitig gibt es Fragezeichen. Besonders auf den offensiven Außenpositionen gibt es noch das ein oder andere Fragezeichen. Die Roma hat junge Spieler wie Rodrigo Mora, Santiago Castro und Konstantinos Koulierakis verpflichtet, gleichzeitig aber nicht alle gewünschten Positionen verstärkt.

Sportdirektor Tony D’Amico räumte selbst ein, dass der Kader noch nicht vollkommen komplett sei. Das könnte im Laufe einer langen Saison wichtig werden. Ein Team kann vier Spiele lang mit maximaler Intensität spielen. Eine Mannschaft, die gleichzeitig Serie A, Champions League und Pokal bestreitet, muss diese Intensität jedoch über Monate bringen, um möglichst lange auf allen drei Hochzeiten zu tanzen.

Zurück zu den guten alten Zeiten?

Genau hier liegt der Reiz dieser „neuen“ Roma. Der Klub ist noch nicht wieder dort, wo er einst unter Capello war. Aber einige Voraussetzungen erinnern tatsächlich an einen neuen Aufbruch. Die Roma ist zurück in der Champions League und hat mit Dybala und Malen gerade offensiv Spieler mit gutem internationalen Format. Dazu kommt eine Reihe an jungen Spieler, die in den kommenden Jahren weitere Entwicklungsschritte gehen werden.

Vor allem aber hat sich die Erwartungshaltung verändert. Der dritte Platz in Gasperinis erster Saison brachte die Roma zurück in die Champions League. Nun beginnt die zweite Phase seines langfristig angelegten Projekts. Der Weg zurück zu den ganz großen Zeiten wird deshalb nicht allein an einem Tabellenplatz im September gemessen. Entscheidend wird sein, ob aus dem spektakulären Saisonstart eine nachhaltige Entwicklung entsteht.

Noch ist der Scudetto nur eine Möglichkeit und bei weitem keine Gewissheit. Noch steht Inter punktgleich daneben und auch andere Teams werden im Laufe der Saison Druck machen. Doch die Roma hat etwas zurückgewonnen, das in den vergangenen Jahren immer wieder verloren schien: die Vorstellung, dass in dieser Mannschaft tatsächlich etwas Größeres entstehen könnte. Vielleicht ist das die wichtigste Veränderung unter Gasperini. Die Roma träumt wieder. Und diesmal gibt es zumindest auf dem Platz erste Argumente dafür.

Seria A: Die aktuelle Tabelle

Pl. Team Sp. S U N Tore Diff. Punkte
1 AS Rom Logo AS Rom 4 4 0 0 12:1 +11 12
2 Inter Mailand Logo Inter Mailand 4 4 0 0 13:6 +7 12
3 Como 1907 Logo Como 1907 4 3 1 0 9:4 +5 10
4 Lazio Rom Logo Lazio Rom 4 3 1 0 6:3 +3 10
5 Cagliari Calcio Logo Cagliari Calcio 4 3 0 1 4:2 +2 9
6 AC Mailand Logo AC Mailand 4 2 2 0 7:4 +3 8
7 Frosinone Calcio Logo Frosinone Calcio 4 2 1 1 7:4 +3 7
8 Juventus Turin Logo Juventus Turin 4 2 1 1 6:4 +2 7
9 US Sassuolo Logo US Sassuolo 4 2 1 1 8:7 +1 7
10 SSC Neapel Logo SSC Neapel 4 2 0 2 6:5 +1 6
11 Atalanta Logo Atalanta 4 2 0 2 5:5 0 6
12 US Lecce Logo US Lecce 4 2 0 2 5:7 -2 6
13 Udinese Calcio Logo Udinese Calcio 4 1 1 2 8:10 -2 4
14 FC Turin Logo FC Turin 4 1 0 3 4:7 -3 3
15 AC Florenz Logo AC Florenz 4 1 0 3 5:11 -6 3
16 Bologna FC Logo Bologna FC 4 0 1 3 2:5 -3 1
17 Parma Calcio 1913 Logo Parma Calcio 1913 4 0 1 3 2:6 -4 1
18 AC Monza Logo AC Monza 4 0 1 3 6:11 -5 1
19 FC Genua Logo FC Genua 4 0 1 3 2:8 -6 1
20 Venezia FC Logo Venezia FC 4 0 0 4 4:11 -7 0
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