Vom 11. Juni bis zum 19. Juli blickte die Fußballwelt nach Nordamerika. Die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada endete mit dem zweiten WM-Titel Spaniens. Im Finale setzte sich La Furia Roja nach Verlängerung mit 1:0 gegen Argentinien durch.
Doch trotz eines verdienten Weltmeisters wird dieses Turnier wohl kaum als eine der besten Weltmeisterschaften aller Zeiten in Erinnerung bleiben – eher im Gegenteil. Sportlich hatte die WM ihre Momente, organisatorisch, atmosphärisch und in vielen Entscheidungen blieb sie jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurück.
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Die deutsche Mannschaft enttäuscht
Natürlich wirft das schlechte Abschneiden Deutschlands einen noch größeren Schatten auf die Analyse des gesamten Turniers. Bereits vor der Weltmeisterschaft herrschte alles andere als Ruhe. Undav hier, Neuer da, die Verletzung von Karl, die Nachnominierung von Ouedraogo… El Mala gar nicht dabei, mit Sané nur ein echter Außenspieler im Kader – die Liste war lang.
Auch wenn man vor Beginn der WM noch die Hoffnung hatte, dass es vielleicht doch überraschend gut werden könnte, hatte man gleichzeitig das Gefühl, dass es am Ende wieder eine Enttäuschung geben würde. Und dieses Gefühl sollte uns nicht täuschen.
Dabei begann das Turnier so fulminant. Ein 7:1-Auftaktsieg gegen Curaçao, anschließend ein hart erkämpfter 2:1-Erfolg gegen einen starken Gegner aus der Elfenbeinküste. Plötzlich war sie wieder da – die Hoffnung, dass Deutschland doch noch die Turniermannschaft sein könnte, vor der früher jede Nation Respekt hatte.
Doch spätestens nach der Niederlage gegen Ecuador kamen die großen Zweifel zurück. Nicht nur an den Spielern und ihren Leistungen, sondern auch wieder an Bundestrainer Julian Nagelsmann. Gegen einen tiefstehenden Gegner fehlte der deutschen Mannschaft alles: Ideen, Überzeugung und Durchschlagskraft. Und wie schon in den Monaten und Jahren zuvor war man defensiv jederzeit für einen Gegentreffer gut. Das letzte WM-Spiel ohne Gegentor? Der 1:0-Triumph im WM-Finale 2014 gegen Argentinien.
Das Sechzehntelfinale gegen Paraguay bestätigte diese Probleme erneut. Vorne zu harmlos, hinten brannte der Baum viel zu schnell lichterloh. Zwar rettete sich die DFB-Elf nach einem 1:1 noch in die Verlängerung, doch der Fußballgott meinte es an diesem Abend einfach nicht gut mit Deutschland. Erst wurde Jonathan Tahs Treffer wegen eines angeblichen Foulspiels aberkannt, anschließend musste trotz guter Chancen das Elfmeterschießen entscheiden.
Und als nach mehreren verschossenen Elfmetern eigentlich schon alles verloren schien, hielt Paraguay Deutschland aus welchen Gründen auch immer weiter im Spiel. Plötzlich hatte man das Gefühl, dass das Momentum endgültig auf die deutsche Seite kippen müsste. Doch ausgerechnet Jonathan Tah verschoss ebenfalls – und das Aus war besiegelt.
Bezeichnend für die gesamte WM waren anschließend die Bilder, auf denen Joshua Kimmich unter anderem Leon Goretzka mehrfach fragte, ob er schießen wolle – und dieser sich offenbar nicht traute.
Zum dritten Mal nach dem WM-Titel 2014 scheidet Deutschland früh und auf enttäuschende Weise aus einer Fußball-Weltmeisterschaft aus.
Trump nimmt Einfluss ins Turnier
US-Präsident Donald Trump zeigte sich während der gesamten Weltmeisterschaft äußerst präsent. Fußball ist in den Vereinigten Staaten längst nicht Volkssport Nummer eins. Basketball, Football oder sogar Baseball genießen dort einen deutlich höheren Stellenwert. Trump schien das allerdings wenig zu interessieren. Als knallharter Geschäftsmann nutzte er die WM vor allem, um Werbung für das eigene Land zu machen. So weit, so gut.
Brisant wurde es allerdings im Sechzehntelfinale. Nachdem Florian Balogun nach VAR-Überprüfung die Rote Karte gesehen hatte, soll Trump FIFA-Präsident Gianni Infantino persönlich angerufen haben. Der US-Stürmer hätte nach dem Platzverweis eigentlich mindestens für das nächste Spiel gesperrt werden müssen. Sein Einsteigen gegen Tarik Muharemović war zwar unglücklich und sicherlich keine Absicht, die Rote Karte war nach den Bildern aber durchaus vertretbar.
Eigentlich schien der Fall auf den ersten Blick eindeutig zu sein. Nach den FIFA-Regularien zieht eine Rote Karte automatisch eine Sperre für das nächste Spiel nach sich. Sowohl der FIFA Disciplinary Code als auch die Turnierbestimmungen sehen diese Konsequenz ausdrücklich vor. Genau darauf berief sich auch der belgische Verband (Gegner der USA im folgenden Achtelfinale), der die Entscheidung der FIFA scharf kritisiert und rechtliche Schritte prüft.
Trotzdem entschied sich die FIFA für einen anderen Weg. Die automatische Sperre gegen Balogun wurde für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt. Grundlage dafür war Artikel 27 des FIFA Disciplinary Code. Dieser erlaubte es dem zuständigen Disziplinargremium, Sanktionen ganz oder teilweise zur Bewährung auszusetzen und eine Bewährungszeit zwischen einem und vier Jahren festzulegen.
Rein juristisch ließ sich diese Entscheidung durchaus begründen. Betrachtet man jedoch das Zusammenspiel mit den Regelungen zur automatischen Spielsperre, wirkte das Urteil alles andere als widerspruchsfrei. Schließlich soll genau diese automatische Sperre für Klarheit und Gleichbehandlung sorgen. Sie soll verhindern, dass nach jedem Platzverweis politische, mediale oder verbandspolitische Einflüsse eine Rolle spielen. Genau deshalb sorgte das Vorgehen der FIFA für so viel Kritik.
Auch im Finale rückte Donald Trump erneut in den Mittelpunkt. Gemeinsam mit seinem engen Vertrauten Gianni Infantino überreichte der US-Präsident den spanischen Spielern ihre Medaillen sowie den WM-Pokal. Daran gab es aus meiner Sicht überhaupt nichts auszusetzen.
Beim anschließenden Jubel hörte der offizielle Teil allerdings nicht auf. Während Spanien den zweiten WM-Titel der Verbandsgeschichte feiern wollte, blieb Trump mitten zwischen den Spielern stehen. Sowohl Rodri als auch Infantino mussten ihn mehrfach dazu auffordern, die Feier den eigentlichen Siegern zu überlassen – mit eher mäßigem Erfolg. Infantino nahm die Szene mit einem Schmunzeln hin, die spanischen Spieler ließen sich davon ihren historischen Moment nicht nehmen.
Es war zwar längst nicht so skurril wie der Auftritt von Nusret bei der WM 2022. Trotzdem gilt für mich: Wenn die Spieler den Pokal zum ersten Mal in den Himmel strecken, gehört dieser Moment ausschließlich ihnen. Außenstehende – egal ob Politiker, Funktionäre oder Prominente – haben dort nichts verloren.
Infantino wird immer unbeliebter
FIFA-Präsident Gianni Infantino wollte die Weltmeisterschaft 2026 – so zumindest der Eindruck vieler Beobachter – unbedingt zu einem der spektakulärsten Turniere der Fußballgeschichte machen. Nun muss sich der Schweizer aber so viel Kritik gefallen lassen wie kaum ein FIFA-Präsident bei einem großen Turnier zuvor.
Der wohl größte Aufreger war der bereits angesprochene Fall Florian Balogun. Doch damit nicht genug. Bereits vor Turnierbeginn gab es Diskussionen über Visa-Probleme, Einreiseverbote und die Behandlung einzelner Fans, Teams und sogar Schiedsrichter. Kritiker warfen Infantino vor, diese Probleme herunterzuspielen und stattdessen die Öffentlichkeit zum „Entspannen“ aufzufordern. Für viele vermittelte die FIFA den Eindruck, dass kritische Themen lieber klein gehalten als offen angesprochen wurden.
Auch die Aufstockung des Teilnehmerfeldes von 32 auf 48 Mannschaften sorgte für reichlich Kritik. Viele Fans und Experten hatten das Gefühl, dass hinter dieser Entscheidung nicht nur sportliche, sondern vor allem wirtschaftliche Interessen standen. Mehr Nationen bedeuten schließlich mehr Spiele, höhere TV-Einnahmen, zusätzliche Sponsoren und damit auch mehr Geld für die FIFA.
Und die Entwicklung könnte sogar noch weitergehen. Alejandro Domínguez, Präsident des südamerikanischen Fußballverbandes CONMEBOL und FIFA-Vizepräsident, brachte öffentlich eine Weltmeisterschaft mit 64 Mannschaften ins Gespräch. Im Vergleich zur WM 2022 wäre das eine Verdopplung der Teilnehmerzahl. Die Sorge vieler Fans ist deshalb verständlich: Geht es künftig noch um den Sport oder immer mehr um die Vermarktung?
Auch finanziell dürfte die WM 2026 vielen Fans negativ in Erinnerung bleiben. Schon die Ticketpreise gingen teilweise in die Hunderte Euro. Hinzu kamen Parkgebühren von bis zu 350 US-Dollar in unmittelbarer Stadionnähe und rund 20 Dollar für ein einziges Bier vor dem Stadion. Preise wie diese machen deutlich, dass sich längst nicht mehr jeder Fußballfan eine Weltmeisterschaft leisten kann. Fußball gilt seit Jahrzehnten als Volkssport – bei dieser WM war davon stellenweise nur noch wenig zu spüren.
Den Höhepunkt der Kommerzialisierung bildete schließlich das Finale. Sowohl vor dem Anpfiff als auch in der Halbzeit verwandelte die FIFA das Endspiel in eine große Showbühne. Weltstars wie Justin Bieber, Madonna, Shakira, Robbie Williams oder Coldplay sorgten für spektakuläre Auftritte und lieferten beste Unterhaltung.
Auf den ersten Blick wirkt das beeindruckend. Schließlich bekommt man neben einem WM-Finale auch noch einige der größten Künstler der Welt zu sehen. Doch genau hier beginnt das Problem. Solche Shows kosten Millionen und werden letztlich durch die enormen Einnahmen der FIFA ermöglicht – Einnahmen, die unter anderem aus hohen Ticketpreisen, Sponsoren und der weltweiten Vermarktung stammen.
Hinzu kommt der sportliche Aspekt. Das Warmmachen der Mannschaften musste wegen der Show vor dem Spiel früher beendet werden, wodurch sich die Zeit bis zum Anpfiff unnötig verlängerte. Noch gravierender war jedoch die Halbzeitpause. Während Fußballprofis normalerweise an eine Pause von rund 15 Minuten gewöhnt sind, dauerte sie im Finale knapp 27 Minuten. In dieser Zeit kühlen die Muskeln ab, der gewohnte Rhythmus geht verloren und viele Spieler müssen sich erneut aufwärmen, um Verletzungen vorzubeugen. Gerade in einem WM-Finale kann das einen entscheidenden Einfluss auf die Leistung haben.
Natürlich gehören große Shows in den USA zu Sportereignissen wie dem Super Bowl längst dazu. Eine Fußball-Weltmeisterschaft ist jedoch kein Super Bowl. Das Finale lebt von der Spannung auf dem Rasen und nicht von einer möglichst spektakulären Bühnenshow. Ein paar Minuten Unterhaltung sind völlig in Ordnung. Knapp 27 Minuten Pause gehen aus meiner Sicht jedoch zu weit.
Genau das zog sich wie ein roter Faden durch diese Weltmeisterschaft: Immer wieder entstand der Eindruck, dass Inszenierung, Vermarktung und politische Interessen wichtiger waren als der Fußball selbst. Und genau deshalb wird die WM 2026 trotz vieler sportlicher Highlights für viele Fans nicht nur wegen der Spiele in Erinnerung bleiben.
DENGOATZ-Fazit
Sportlich bot die WM 2026 einige großartige Momente. Organisatorisch, atmosphärisch und in vielen Entscheidungen hinterließ das Turnier jedoch einen bitteren Beigeschmack. Infantino und die FIFA wollte die größte Weltmeisterschaft aller Zeiten schaffen – herausgekommen ist vor allem eine der umstrittensten mit dunkler WM-Zukunft…

